Home
Ideologische Argumtion
Tricks No. 01-15
Tricks ab No 16
Tricks No. 01-15

 

Tabelle ideologischer Argumentationstricks

 

No. 01

Der Trick

Das bekannte Paradigma vom "Boten schlechter Nachrichten"

Bedeutung

Wenn die ‚gegnerische’ Argumentation eine unbequeme Wahrheit (bzw. Feststellung) darstellt, ist diese ‚Ansicht’ minderwertig/bösartig und der Bote schlechter Nachrichten (d.i. schlechter Ansichten) wird archaischerweise ‚hingerichtet’.

Der Zweck ist: eine unliebsame, wenn auch begründete (objektive) Sichtweise, die nicht ins (offizielle) Konzept paßt, wird zusammen mit dem Träger (dem ‚Boten’) dieser Ansicht entsorgt.

1. Beispiel

Prof. Walter Soyka und andere wurden an der Bremer Universität nicht mehr weiter angestellt, nachdem sie 1975 ein kritisches Buch zu den Gefahren von Atomkraftwerken veröffentlichten. (Sie hatten offenbar die falschen ‚Ansichten’.) (Quelle: Vortrag zur Ehrung von Walter Soyka www.strahlentelex.de/Stx_02_374_S04-08.pdf)

2. Beispiel

Der ‚Zwang’ zum Rücktritt des Bundestagspräsidenten Jenninger kurz nach seiner angeblich skandalösen Rede 1988 (anläßlich der Reichskristallnacht 1938). Das Hohe Haus konnte zum einen Teil (Grüne Oppositionelle beispielsweise) nicht zwischen Darstellung (z.B. Zitate) und persönlicher Meinung Jenningers unterscheiden, einem anderen Teil der Abgeordneten (Parteikollegen beispielsweise) paßte vermutlich die Darstellung als solche nicht ins nationalistische Konzept. Für letztere war Jenninger der Bote schlechter Nachrichten.

 

 

No. 02

Der Trick

Datenverdünnung (Abfälschen, Verharmlosen, Ungeschehen machen, Ablenken)

Bedeutung

Eine aufdeckende Argumentation soll gewissermaßen entschärft werden. Es handelt sich um eine Art Fluchtreaktion bei gleichzeitigem Werfen von Nebelbomben.

1. Beispiel

„Die Vorgehensweise des Sozialministeriums  war offensichtlich auf Datenverdünnung ausgerichtet und bezog  sich nur auf die kindliche Leukämiemortalität im Zeitraum von 1968 bis 1977. Die Quintessenz der Erhebung war, daß die Leukämiemortalität in Niedersachsen in diesem Zeitraum nicht angestiegen sei.“ (Quelle: Vortrag zur Ehrung von Walter Soyka www.strahlentelex.de/Stx_02_374_S04-08.pdf

2. Beispiel

„Und noch etwas ist merkwürdig an der Auseinandersetzung um den Fall Freud: in keiner der Rezensionen werden die interessanten Quellenfunde des Autors diskutiert, geschweige denn die Schlußfolgerungen, die er daraus für die Qualität der wissenschaftlichen Argumente Freuds ableitet. Statt dessen wird die fachliche wie menschliche Qualität des Autors analysiert.“ (Zitat aus der Kurzdarstellung von Busse zu Han Israels : Der Fall Freud. Die Geburt der Psychoanalyse aus der Lüge. Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Europäische Verlagsanstalt Hamburg, Holländisch 1993, dt. 1999. - Die Kurzdarstellung findet sich unter: http://ppfi.de/buchbesp/israels.htm

 

 

No. 03

Der Trick

Falsche Identifizierung

Bedeutung

Mit dieser Argumentation wird der Zweck verfolgt, etwas Gutes in einen Topf zu werfen mit was Schlechtem, damit man im Kampf gegen das Schlechte (dem nun mit Hilfe jenes Argumentationstricks dieses Gute ebenfalls zugehörig ist) seine eigene Position totalitär ausweiten kann.

1. Beispiel

Hitler (Sportpalast 10.02.1933):

„14 Jahre herrscht heute diese Partei. 14 Jahre herrscht diese Weltanschauung. Manches Mal vielleicht unverhüllt, manches Mal schamhaft verdeckt. Aber im Kern immer noch der selbe Geist, den Sie tausendfältig überall sehen. Und die Ergebnisse, sie sind grauenhaft. Ich will nicht die Vergangenheit nehmen und mich [1 Wort unverständlich] an dieser Vergangenheit, sondern will nur nehmen diese 15 Jahre, die hinter uns liegen. Angefangen von dem Tage an dem hier in Deutschland der Munitionsstreik ausbrach, übergehend dann endlich zu dem Tage, da die rote Fahne gehißt wurde und die Revolution unser Volk verwirrte...“

Dazu ist folgendes zu bemerken: Die Marxisten hatten keineswegs 14 Jahre lang die Macht in der Weimarer Republik - weder in der Politik und erst recht nicht in der Wirtschaft. Indem Hitler die bürgerliche Welt der Weimarer Republik mit den marxistischen Parteien undifferenziert in einen Topf wirft, kann er alle Parteien und politischen Institutionen der Republik durch diesen Argumentationstrick der  falschen Identifizierung - vor seinem fanatischen Anhang scheinbar gerechtfertigt – verbieten. (Weitere Ausführungen finden sich in meinem Aufsatz: „Haltlose Hitler-Argumentationen“ von 2007)

2. Beispiel

In einer Scheidungsangelegenheit betonte die Ehefrau bei ihrem Anwalt, die Eltern des Ehemanns gehörten einer „Sekte“ an, wieso man die Kinder nicht zu ihnen lassen dürfe.

Der Begriff Sekte‘ ist im umgangssprachlichen Gebrauch meist negativ besetzt. Doch ist Sekte nicht gleich Sekte. Die Eltern des Ehemanns gehören einer gutartigen Religionsgemeinschaft an, nämlich der Sai Baba Bewegung. Und diese Eltern sind auch selber gutartig. Daß die Sai Baba Bewegung (obwohl von vielen als ‚Sekte‘ angesehen) offiziell in Indien einen durchaus guten Stand hat, wird beispielsweise durch folgendes deutlich: <Die Regierung des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh ordnete eine 4-tägige Staatstrauer von 24. bis 27. April 2011 an und beschloss ein Staatsbegräbnis für Sathya Sai Baba.> Weitere Informationen zur Sai Baba Bewegung siehe Wikipedia.

 

 

No. 04

Der Trick

Falsche Analogien

Bedeutung

Dieser Argumentationstrick kann besonders wirkungsvoll sein. Er dient dazu, von der wirklichen Sachlage ein falsches Bild herzustellen.

1. Beispiel

Hitler Sportpalast 3.10.1941 (Winterhilfswerk) – aus der Kriegsbegründung gegen Rußland:

„Ich habe deshalb hier auch in dem Augenblick noch geschwiegen, in dem ich mich endgültig entschloß nunmehr selber den ersten Schritt zu tun. Denn wenn ich schon einmal seh, daß ein Gegner das Gewehr allmählich anlegt, dann werde ich nicht warten bis er abzieht, sondern dann bin ich entschlossen, lieber selber vorher abzuziehen.“ [Langer Beifall].

Die ist der rhetorische Höhepunkt seiner Begründung: das Bild vom Gegner, der ein Gewehr auf mich anlegt. Diese Analogie ist ziemlich schief. Erstens war durch nichts eindeutig klar, daß nach dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion 1939, diese nun tatsächlich ein (Kriegs-) Gegner sei. Hierin ist die Analogie fragwürdig. Zweitens bin ‚Ich’ in der Einzahl. Und wenn ich getroffen werde, so bin ich damit ausgeschaltet. Die deutsche Armee ist aber nicht in der Einzahl sondern bestand aus Millionen von Soldaten. Wenn davon etliche durch eine Kriegshandlung getroffen werden, so ist damit noch nicht die gesamte Armee ausgeschaltet. Es bleiben noch eine Menge flexible Möglichkeiten der Defensive, vor allem wenn man so stark ist, wie die deutsche Armee es damals war. Hierin also ist die Analogie falsch.

(Weitere Ausführungen finden sich in meinem Aufsatz: „Haltlose Hitler-Argumentationen“ 2007)

 

 

No. 05

Der Trick

Auslassen relevanter Daten. (Falsche Proportion der Darstellung eines Sachverhaltes; eine sekundäre Sache als die Hauptsache hinstellen; Verallgemeinerung ohne statistische Plausibilität: z.B. Einer = Alle)

Bedeutung

Herstellung von Einseitigkeit zum Zwecke der Indoktrination und Abwehr von Realität. Kann in manchen Fällen mit 2 (Datenverdünnung) zusammenhängen.

1. Beispiel

„Ich will übrigens gar nicht abstreiten, daß es (einige wenige) solcher Leute mit Ansätzen in der beschriebenen Richtung gegeben hat (etwa Dogmatiker der K2 = Kommune 2, die diesbezügliche Literatur veröffentlichten, auf die sich der Hetzautor gegen Cohn-Bendit und die antiautoritäre Kindererziehung einseitig bezieht), sowenig wie ich auf die Idee komme, abstreiten zu wollen, daß es Terroristen und ihre Sympathisanten seit ca. 1970 als relativ geringzahliger Anteil der Studentenbewegung gegeben hat, oder daß es dogmatische K-Gruppen gab. – Aber mit Dogmatikern à la K2 hat man nicht die Masse derjenigen erfaßt, die nun, im Gefolge der Studentenbewegung, sich an neue unautoritäre Erziehungsversuche heranwagten. Und daß Cohn-Bendit zu jenen Dogmatikern à la K2 gehörte, müßte erst mal genauer expliziert werden. Ich persönlich halte dies für unwahrscheinlich.“ (Weitere Ausführungen finden sich in meinem Aufsatz „Ideologiekritische Analyse eines FemDisk-Textes gegen Daniel Cohn-Bendit“)

 

2. Beispiel

„Der jüdische Handel wird immer mehr ausgeschaltet. Infolgedessen fangen viele der Crainfelder Juden an, auszuwandern nach Amerika oder Palästina oder sie tauchen in den Großstädten unter. Wir weinen ihnen keine Träne nach, denn sie haben unserem Volk grenzenloses Unglück gebracht. Hat doch ein einziger Crainfelder Jude, der sich dann im Zuchthaus selbst erhängte, in 30 Jahren etwa 1200 Morgen Bauernland zur Zwangsversteigerung gebracht! Das war nur einer! Trotzdem ist ihnen bei uns nichts geschehen, abgesehen von ein paar zerbrochenen Fensterscheiben + ab und zu einer wohlverdienten Tracht Prügel, wenn einer meinte, im 3. Reich lustig weiter betrügen zu können.“

(Der Vogelsberger Nazi-Pfarrer Mitzenheim 1935 in der Kirchenchronik von Crainfeld. - Quelle: Beilage zum Gießener Anzeiger 16/2011 „Heimat im Bild“ . Carsten Eigner M.A. zum Thema: „Nationalsozialismus im Vogelsberg“, mit der Überschrift: „Mein Platz ist natürlich an der Seite Hitlers“. Gemeint ist Pfr. Mitzenheim.)

 

 

 

 

No. 06 a)

Der Trick

Von vornherein abwertende Bezeichnungen für Personen (oder Sachen) ohne haltbare Begründung

Bedeutung

Offenbar sehr wirkungsvoll, um umstandslos „falsch Zeugnis abzulegen“, d.h. ungerechtfertige Vorurteile zu schüren.

1. Beispiel

„Ein durchgeknallter Epigone Siegmund Freuds, der marxistisch verblendete Psychoanalytiker Wilhelm Reich“ (Quelle: Dani aus dem Kinderladen)

2. Beispiel

 Antifa vom 31.08.10 mit der Überschrift “Rassist Sarrazin kommt ins Literaturhaus München - Auftritt verhindern”: <Liebe AntirassistInnen, der widerliche rassistische, antisemitische (da er JüdInnen als genetischfestgeschriebene Gruppe von Menschen definiert) und sozialdarwinistischeMedien-Zampano Thilo Sarazzin will am 29. September mit einem Auftritt imLiteraturhaus die Münchner Öffentlichkeit belästigen. Die GenossInnen ausRosenheim meinten ganz richtiger Weise, dass dieser Auftritt nichtstattfinden sollte.>

3. Beispiel

<Sagen sie [gemeint sind gewisse Mitteilungen einer oppositionellen Gruppe, der Verf. M.A.] zum Beispiel, daß der Student YX irgendein Feuilleton von Václav Havel abgeschrieben und eine Kopie seinen Mitschülern gegeben hat, und keineswegs, daß er „die Hetzschrift eines Exponenten der Rechten vervielfältigt und verbreitet hat“, so sieht das, in der Tat, nicht so schreckenerregend aus wie in der amtlichen Fassung …> - Aus der Verteidigungsrede Vaclav Havels vor dem Senat des Stadtgerichts in Prag (22.-23.10.1979). In: Václav Havel: Briefe an Olga. Betrachtungen aus dem Gefängnis. Anhang S.316. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991. (Ursprünglich 1982).

 

 

 

No. 06 b)

Der Trick

Von vornherein schönfärbende Sichtweisen ohne haltbare Begründung

Bedeutung

Es soll umstandslos etwas als gut oder schön hingestellt werden, um eine positive Propaganda zu erzeugen.

1. Beispiel

Gießener Anzeiger vom Montag, 05.09.11, Seite 9 mit der Überschrift: “Volksfeststimmung auf dem Kirchenplatz - Wohnbau feiert 75-jähriges Bestehen (...)”. Darin heißt es gegen Schluß:

<Als Vertreter der Stadtwerke Gießen AG und der Industrie- und Handwerkskammer Gießen-Friedberg sprach Vorstand Manfred Siekmann. (...) “Daß Gießen wirklich schöne Seiten hat, ist mit ein Verdienst der Wohnbau”, sagte Siekmann.>

Dieses Behauptung paßt zur propagandistischen Schönfärberei, daß Gießen eigentlich eine schöne Stadt sei, wenn man das nur richtig sehe und rüberbringe. Daß nun ausgerechnet die für Wohnblocksiedlungen zuständige “Wohnbau” ein Verdienst an den paar wenigen schönen Seiten Gießens haben soll, ist eine aus der Luft gegriffene Behauptung, für die sich der Sprecher hüten wird, triftige Belege anzuführen.

 

 

No. 07

Der Trick

Herstellen einer inquisitorischen Situation, bei der einem ein Strick gedreht werden soll

Bedeutung

Alle Antworten, vor allem auch die durch jene Situation hervorgerufenen angeblichen Schwächen der eigenen Darstellung, werden notwendigerweise gegen einem verwandt.

1. Beispiel

„ZDF: „Es klingt so autobiographisch, so persönlich geschildert, so als wenn Sie Sex mit Kindern hätten.“

Daniel: „Ja und das is´ nich´ wahr, das is´ nich´ wahr, das is´ auch von den Eltern is´ auch niemand da gewesen…“ (Quelle: Dani aus dem Kinderladen)

 

 

No. 08a

Der Trick

Unterstellung von Bösartigkeit bzw. Gefährlichkeit ohne haltbaren Beweis

Bedeutung

Soll Vorwand liefern für die Gerechtfertigtheit eigener Aggressivität und Destruktivität.

Karl Kraus nennt dies die Taktik der „verfolgenden Unschuld“.

1. Beispiel

„Auch eine andere Macht, die sehr gewaltig war in Deutschland, hat unterdes die Erfahrung erleben können, daß die nationalsozialistischen Prophezeiungen keine Phrasen sind. Es ist die Hauptmacht, der wir all dieses Unglück verdanken: das internationale Judentum. Sie werden sich noch erinnern an die Reichstagssitzung, in der ich erklärte, wenn das Judentum sich etwa einbildet, einen internationalen Weltkrieg zur Ausrottung der europäischen Rassen herbeiführen zu können, dann wird das Ergebnis nicht die Ausrottung der europäischen Rassen sondern die Ausrottung des Judentums in Europa sein [Beifall]. [Hitler bezieht sich auf eine Rede vom 30. Jan. 1939; Anm. Verf.]. Sie haben mich immer als Prophet ausgelacht. Von denen, die damals lachten, lachen heute unzählige nicht mehr. [Gelächter]. Die jetzt noch lachen, werden in einiger Zeit vielleicht auch nicht mehr lachen. [Beifall]. Diese Welle wird sich über Europa hinaus über die ganze Welt verbreiten. Das internationale Judentum wird in seiner ganzen dämonischen Gefahr erkannt werden. Wir Nationalsozialisten werden dafür sorgen. In Europa ist diese Gefahr erkannt und Staat um Staat schließt sich unseren Gesetzgebungen an.“ (Rede Hitlers im Löwenbräukeller 8.11.1942)

2. Beispiel

Aus Hitlers Kriegsbegründung gegen England. (Sportpalast 3.10.1941):

<Ich bin daher auch der Überzeugung, daß es mit all diesen Männern wirklich keine Verständigung gibt. Es sind das Wahnsinnige, Narren, Leute die seit 10 Jahren kein anderes Wort kannten als nur eines: wir wollen wieder einen Krieg mit Deutschland. In Monaten, in denen ich mich bemühte, eine Verständigung herbeizuführen, da hatte dieser Churchill nur immer einen Ruf „Ich will einen Krieg haben“ [einhelliges Pfui]. Er hat ihn jetzt [Beifall]. Und alle seine Mithetzer, die nichts anderes zu sagen wußten, als daß das ein reizender Krieg sein wird, die sich gegenseitig damals am 1. September 1939 beglückwünschten zu diesem kommenden reizenden Krieg, sie werden jetzt unterdes vielleicht schon über diesen reizenden Krieg anders denken [Beifall]. Und wenn sie jetzt noch nicht wissen sollten, daß dieser Krieg für England keine reizende Sache wird, so werden sie’s mit der Zeit doch merken, so wahr ich hier steh [langanhaltender Beifall]. Diese Hetzer haben es damals fertiggebracht, Polen vorzuschieben.> (Weitere Ausführungen finden sich in meinem Aufsatz: „Haltlose Hitler-Argumentationen“ 2007)

3. Beispiel

<Also nahmen sich die Deutschen das Vieh bei den Schwarzen, vor allem bei den Hereros, die mehrere hunderttausend Rinder besaßen. Nach angeblichen Vertragsbrüchen und provozierten Gewalttätigkeiten rückte Leutweins Schutztruppe an und „pfändete“ das Vieh. Nach afrikanischer Anschauung bedeutete Pfändung Diebstahl. Viehdiebstahl kam einer Kriegserklärung gleich. Setzte sich der Stamm zur Wehr, dann hatte die Schutztruppe den erwünschten Vorwand, den Stamm zu vernichten oder völlig zu enteignen.> (Aus: Der Spiegel Nr. 45/1976, Seite 140. In dem Artikel „Jeder nimmt zehn Schwarze mit ins Grab“, S. 130-145., über Deutsche in Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwestafrika und die ursprüngliche dortige deutsche Kolonialpolitik zwischen 1883 und 1918.)

 

 

No. 08b

Der Trick

Unterstellung von Unfähigkeit ohne haltbaren Beweis

Bedeutung

Soll Vorwand liefern für Gerechtfertigtheit einer kastrierenden, vorurteilsvollen Haltung gegenüber einer derart stigmatisierten Person.

1. Beispiel

<Traf früher das Fräulein mit Kind die pharisäerhafte Mitleidlosigkeit der Gesellschaft, so werden heute Väter dafür gestraft, gezeugt zu haben. Eine Vater-Kind-Realität ohne Stammbuch verneint der Gesetzgeber energisch. So erklärte beispielsweise das Hamburger Landgericht 1990 einem unverheirateten Vater, daß er seinem Kind „Geborgenheit naturgemäß nicht geben“ könne.> (Der Spiegel 33/1993, S.65 in dem Artikel „Der Kampf ums Kind“). – Selbstverständlich ist die Behauptung „naturgemäß“ nicht zu substantiieren und läßt sich schon durch einen einzigen Fall eines unverheirateten Vaters, der seinem Kind tatsächlich Geborgenheit gibt, widerlegen.

 

 

No. 09

Der Trick

Bewerkstelligen eines falschen, unwahren Konses

Bedeutung

Dient der Herstellung einer Pseudogemeinschaft.

Wird angewandt, um unliebsame, wenn auch relevante Ansichten auszuschließen „individuell wie kollektiv, in gesellschaftlichen Gruppen ebenso wie in politischen Systemen aller Couleur.“ Zielt darauf „Subjekte, Gruppen, Parteien, Meinungen, Interessen etc. aus dem Kreis des argumentativ Berücksichtigungs- und Beachtenswerten zu exkludieren, um den eigenen Interessen größere Zustimmungschancen zu verschaffen.“ (Zitate aus: Josef Kopperschmidt: Argumentationstheorie zur Einführung, Dresden 2000, S.77).

Im politischen Bereich kann man auch sagen, daß es sich um eine Art Honeckerische Verblendung handelt (nach dem ehemaligen Staatratsvorsitzenden der DDR Erich Honecker): Ein Machtkartell schottet sich geistig nach Außen ab, indem mit Hilfe von Propaganda Schönfärberei betrieben wird. Kritik wird nicht ernstgenommen und abgebügelt. - Es handelt sich um die offenbar nie versiegende Sehnsucht aller Herrschenden nach Potemkinschen Dörfern.

1. Beispiel

<Aber es geht hier um Übereinstimmung, um eine einheitliche Darstellung, um ein einheitliches Deutschlandbild von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen. Hier sind die Schulbuchverleger außerordentlich interessiert, diese Dinge – mit Ihnen im Bündnis – zu erhalten und zu retten. Wir werden uns auch bemühen, diese Dinge in den Hansestädten Hamburg und Bremen zu einem Erfolg zu führen; wir sind da nicht ohne Hoffnung. Allerdings brauchen wir da auch die sehr starke Unterstützung von allen Parteien des Hauses, die sich glücklicherweise im KMK [Kultusministerkonferenz, M.A.]-Beschluß auch zusammengefunden haben. – Vielen Dank. (Beifall bei allen Fraktionen)> (Dr. Schröder in: Zur Sache 2/81. Themen parlamentarischer Beratung. Deutsche Geschichte und politische Bildung. Öffentliche Anhörungen des Ausschusses für innerdeutsche Beziehungen des Deutschen Bundestages 1981, Bonn 1981, S. 242)

2. Beispiel

<Wenn in der Beilage „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Wochenzeitung „Das Parlament“ die von Walter Scheel in der Rede zur 25. Wiederkehr des 17. Juni 1953 erhobene Forderung: „Die Lehrer dieses Landes haben sich an die Verfassung zu halten, und die Landesregierungen haben die Pflicht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen“, wenn also dieses Zitat als Instrument zur Erzeugung von Angst, Konformitätsdruck und Denunziationsstimmung gebrandmarkt werden kann, ist die Grenze zwischen Liberalität und Libertinage überschritten, zumal der Autor als Professor für Erziehungswissenschaften tätig ist. Es bedarf wohl keines Hinweises auf die Folgen, wenn namentlich jüngere Lehrer auf solche Sätze in dieser weitverbreiteten offiziellen Zeitschrift stoßen, selbst wenn im Impressum auf die Unverbindlichkeit verwiesen wird.> (Dr. Friese in: a.a.O. Zur Sache 2/81, S. 193)

3. Beispiel

Gießener Anzeiger vom 03.09.11, Seite 13 mit der Überschrift: <”Nur, dass es jetzt auch eine Moschee gibt” - Druckfrisches Magazin “Merian Hessen” läßt Gießen links liegen (...)> - Darin beklagt sich der Autor Michael Keßler darüber, daß Gießen nur 4 Zeilen erhalten habe. Es wird der Merian-Autor zitiert: “Ich habe hier [in Gießen] in den siebziger Jahren gewohnt, es hat sich kaum verändert, nur dass es jetzt auch eine Moschee gibt.” Der Kommentar des Anzeiger-Autors: “Das war es und das schmerzt.” - Sodann läßt Keßler die Gießener Offizial-Version (contra Merian) zu Wort kommen: <Sadulla Gülec, Geschäftsführer der Gießen Marketing GmbH und damit oberster Werber für die Stadt, registriert diesen Satz, der übrigens neben dem Serviceanhang die einzige Erwähnung der Stadt bleibt, mit Kopfschütteln. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor überhaupt nach Gießen hineingefahren ist“, sagt er. Es sei allerdings bezeichnend. Gießen habe einfach das Pech, immer wieder genau in diese Schublade gesteckt zu werden. Gießen, die vernarbte Kriegswitwe. „Ich werde den Autor anschreiben, aber auf eine positive Art und Weise, ihn für ein Wochenende nach Gießen einladen und ihm gerne persönlich auf dem Rad die Stadt zeigen.“ Gießen hätte in „Merian Hessen“ zumindest im Anzeigenteil ganzseitig vertreten sein können, berichtet er. Allerdings seien die Kosten hierfür aus Gießener Sicht astronomisch hoch gewesen. Das Budget lasse das nicht zu. „Das macht deutlich, dass unser Stadtmarketing nach wie vor finanziell defizitär ausgestattet ist.“ Man dürfe aber auch die Präsenz in einem Hochglanzmagazin nicht über alles stellen. „Es geht auch darum, das Selbstbewusstsein der Gießener selbst zu stärken, weil das dann auch positiv nach außen getragen wird“, appelliert er wider eine weitverbreitete Selbstverzwergung. Er selbst finde Gießen gut und Gießen werde immer besser.>

 

 

No. 10

Der Trick

Mit – wie auch immer gearteter – moralischer Begründung mögliche Kritik bzw. eine unliebsame Ansicht zum Schweigen verurteilen bzw. sie zu ignorieren.

(Es handelt sich hier um die schwere Form der Totschlags-Argumente. Die leichte Form nennt sich „Killerprase“ und wird in Punkt 15 dargestellt.)

Bedeutung

Dient dazu, Kritiker bzw. unliebsame Ideen mundtot zu machen oder sie zu ignorieren und das freie Denken zu unterbinden. Hat die Funktion den falschen Konsens herzustellen. (Siehe Punkt 9)

Malte W. Egger beschreibt ‚Totschlagargumente’ folgendermaßen: „Charakteristisch an Totschlagargumenten ist, daß zunächst eine Überzeugung formuliert wird, die mit dem Anspruch auftritt, daß man sie unbedingt akzeptieren muß und daß sich ihr niemand entziehen kann. Ein Bezweifeln dieser Überzeugung käme einem Tabubruch gleich. Die Unterstellung des Totschlagarguments lautet dann, daß der Diskussionsgegner genau diese Überzeugung bezweifelt und damit den Tabubruch begeht. Das löst Empörung aus und diskreditiert den Diskussionsgegner. Diskussion zu Ende, Gesprächspartner tot.“ (Malte W. Egger: Kritisch argumentieren. Aschaffenburg 2006, S. 159)

1. Beispiel

Siehe oben in 9 den Punkt 2: Die moralische Begründung ist der Anspruch an die Lehrer, die Verfassung hochzuhalten. Jemand (erst recht ein Professor für Erziehungswissenschaften als offiziöser Beamter) der (vermutlich) die Methoden, mit denen dieser Anspruch seitens der Kultusministerien durchgesetzt werden soll „als Instrument zur Erzeugung von Angst, Konformitätsdruck und Denunziationsstimmung“ kritisiert, soll zum Schweigen verurteilt werden. Vor allem darf ihm eine „offizielle Zeitschrift“ (des Parlaments) keine Veröffentlichung dieser Kritik erlauben.

2. Beispiel

Hitler spricht im Reichstag 23.3.33 (Ermächtigungsgesetz):

<Sie [gemeint ist der Abg. Wels von der SPD, der vor Hitler sprach; Anm.Verf.] sagen weiter, daß die Kritik heilsam sei. Gewiß, wer Deutschland liebt mag uns kritisieren, wer eine Internationale anbetet kann uns nicht kritisieren. [Lang anhaltender Beifall und Rufe].>

Die moralische Begründung ist hier ungefähr: Sozialdemokratische Internationalisten sind Verräter an Deutschland und somit moralischer Abschaum. Sie haben uns deswegen nichts zu sagen. Woraus dann folgt: ihnen braucht man gar nicht erst zuzuhören und am besten werden sie wegen Landesverrats verurteilt. (Weitere Ausführungen finden sich in meinem Aufsatz: „Haltlose Hitler-Argumentationen“ 2007)

 

 

No. 11

Der Trick

Falsche Unterstellung, d.h. falsche Bedeutungsunterlegung der eigentlichen Behauptung.

Bedeutung

Dient dazu, vom eigentlichen Thema abzulenken, um gewisse unliebsame Wahrheiten (Behauptungen, Feststellungen, Vermutungen) ungeschehen zu machen. Die Feststellung wird auf ein anderes Gebiet verschoben, wo sie quasi neutralisiert werden kann.

Es handelt sich um eine Art Flucht-Reaktion vor einer unbequemen Wahrheit und ist verwandt mit Punkt 2 „Datenverdünnung“.

1. Beispiel

Michael sagt seinem Freund Thomas, daß er es nicht gut findet, wenn Thomas mit Yvonne ein sexuelles Verhältnis startet, da sich dies wahrscheinlich verheerend auf die Beziehung von Yvonne mit Pico auswirken wird. - Thomas nimmt jedoch an: Michael sagt so was nur, weil er neidisch ist, weil er selber gerne was mit Yvonne hätte. – Mit dieser falschen (jedenfalls ungeprüften, unbegründeten) Unterstellung enthebt Thomas sich der Beschäftigung mit der Frage, welche Folgen sein Tun hat und ob er das wirklich verantworten will.

 

 

No. 12

Der Trick

Orwell’sche Euphemismen: verdrehte Neuverwendung von positiven Begriffen

Bedeutung

Die positiv moralische Konnotation eines Begriffes soll mit was Üblem, Amoralischen neu verbunden werden. Dadurch soll offiziellerweise die klare, kritische Benennung dessen, worum es bei diesem Neuen eigentlich geht, verhindert werden. Des Weiteren soll die Illusion befördert werden, daß mit der Verwendung traditioneller, moralisch positiv geladener Begriffe, auch die traditionellen Inhalte (irgendwie) mit beibehalten bzw. auf jenes Neue übertragen werden.

1. Beispiel

So spricht man im Gefolge des neoliberalen Umbaus der deutschen Gesellschaft seit den 90er Jahren von „Reformen“. Ein Begriff, der jahrzehntelang fest belegt war im Sinne von sozialen Verbesserungen für die Unterprivilegierten. Dieser Begriff wird nun ins genaue Gegenteil verkehrt, soll aber die vorherige (positiv-moralische) Konnotation des Begriffs weiterhin mit sich tragen.

2. Beispiel

Die Berliner Mauer wurde in der DDR offiziell als „Antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet. Die vorherige positiv-moralische Konnotation von „antifaschistisch“ sollte nun auf das Gebilde, das (zusammen mit den sonstigen Grenzbefestigungen) in ihrer Hauptfunktion eine gigantische Gefängnismauer für die gesamte Bevölkerung der DDR darstellte, übertragen werden. – Ganz konsequent euphemistisch argumentierte Honecker 1975 gegenüber ap: „Was Sie Mauer nennen, sind militärische Sperrgebiete…Soweit ich weiß, kann man militärische Sperrgebiete auch in den USA nicht ohne Erlaubnis betreten.“ (Bild, 25.08.1975)

3. Beispiel

<Wer eine Staatsform will, in der die Gewalt nicht vom Volk ausgeht und nicht nach bestimmten politischen Regeln an frei gewählte Repräsentanten delegiert wird und wer dennoch das Wort „Demokratie“ für diese Staatsform verwendet, der lügt. Wer zudem noch, um seine Glaubwürdigkeit zu erhöhen, „Volksdemokratie“ sagt, lügt noch mehr.> (Weinrich, H.: Linguistik der Lüge. Heidelberg 1966, S. 35)

 

 

No. 13

Der Trick

Tabugrenzen bei Debatten errichten

Bedeutung

Damit werden die aller- entscheidensten (weiterführenden, grundsätzlichen) kritischen Fragen aus der Debatte ausgeblendet. Es wird sozusagen ein geistiger Käfig errichtet.

Offenbar hat jede solche Tabugrenze eine tiefer liegende, prinzipielle Bedeutung.

Oft ist dies ein gruppendynamischer Trick, wonach keiner gerne den Unmut der Versammlung auf sich lenken will, indem er auf Tabus innerhalb der Diskussion hinweist.

(Ist verwandt mit Punkt 9: Herstellen eines falschen Konsenses)

1. Beispiel

In den Öffentlichen Anhörungen des Ausschusses für innerdeutsche Beziehungen des Deutschen Bundestages 1981 ging es um die geschichtliche Situation des geteilten Deutschland und natürlich auch um Fragen der (selbstverständlich) anvisierten deutschen Einheit. Dabei kamen neben diversen Bundestagsabgeordneten auch Historiker und Verbandsvertreter zu Wort. Auf sämtlichen 310 Seiten des Protokolls wurde nicht ein einziges Mal die Frage gestellt: „Wofür soll nationale Einheit eigentlich gut sein und welche unterschiedlichen Optionen sind denkbar bzw. sinnvoll?“ – Die einzige diesbezüglich ansatzweise kritische (schriftliche) Stimme kam von einem Vertreter der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Heinz Wiemer, S.181-184). Vorsorglich wurde der dann ‚krank’ und konnte somit nicht mehr persönlich erscheinen, um einen mündlichen Vortrag zu halten. – Er tat gut daran. Denn er vermutete meiner Ansicht nach wohl zu recht, daß er von den erlauchten Anwesenden in der Luft zerfetzt worden wäre, wenn er die „traditionellen Vorstellungen nationaler Einheit“ (S.184) noch einmal verdeutlichend in Frage gestellt hätte. (Zur Sache 2/81. Themen parlamentarischer Beratung. Deutsche Geschichte und politische Bildung. Öffentliche Anhörungen des Ausschusses für innerdeutsche Beziehungen des Deutschen Bundestages 1981, Bonn 1981)

Man kann dieses Problem der Tabugrenzen schlecht nachweisen, wiewohl es universell gang und gäbe ist. Mir fallen ad hoc noch drei Beispiele ein:

2. Beispiel

Erstens: Eine Fernsehdiskussion (2009) über Kinderpornografie, sexuellen Kindesmißbrauch und das Internet. Wobei beispielsweise eine Frage strikt umgangen wurde, die man ungefähr folgendermaßen auf den Punkt bringen könnte: Ist es denn vergleichbar, wenn ein geschlechtsreifes 13 jähriges Mädchen einen 16 jährigen Geliebten hat (der dann in den Knast kommt) damit, daß irgendwelche alten Schweine sich an kleinen Kindern vergreifen?

3. Beispiel

Zweitens: Eine hochkarätige Podiumsdiskussion, Uni Gießen 2010, über das Cypern-Problem. Eine entscheidende Knackfrage wurde natürlich nicht gestellt: ob nicht gerade die jahrzehntelange Anwesenheit der türkischen Besatzung in Nord-Cypern überhaupt erst dafür gesorgt hat (aufgrund der langen Friedensphase), daß mittlerweile die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, Griechen-Zyprioten und Türken-Zyprioten, allmählich in einen friedlichen Dialog eintreten können?

4. Beispiel

Drittens: Studentenbewegung, eine universitäre „Vollversammlung“ im Audi-Max Giessen, ca. 1975. Unter der Oberleitung des Obermarxisten Hrch. Brinkmann sollten sich etliche Gruppen bilden, um über bestimmte Themen zu beratschlagen: Dritte Welt und dergl. Eine Frage, die damals ziemlich virulent für die konkreten Studenten war, wurde allerdings als nicht zugehörig erst gar nicht ernst genommen: „Wie steht es mit den diversen Problemen der Mann-Frau-Beziehung konkret bei uns Studenten? Könnte man dazu nicht ebenfalls eine Themengruppe bilden?“

 

 

No. 14

Der Trick

Als Außenseiter ausgrenzen

Bedeutung

Dient dazu, den Anderen (die betreffende Gruppierung) von vornherein aus dem gleichberechtigten (z.B. politischen) Diskurs und zur gleichberechtigten (z.B. politischen) Teilhabe auszuschließen. Der in dieser Richtung etikettierte wird zur (öffentlichen) Mißachtung freigegeben. Ungeheuer wirkungsvoll bei vereinigten politischen Hetzkampagnen der Medien und/oder der politischen Spießbürger-Klasse. (Siehe oben im Vorspann das Zitat von Heinrich Böll).

Gehört zum typischen Arsenal autoritärer Verhältnisse – analog zu Mobbing und ‚Schwarzes Schaf der Familie’.

(Ist verwandt mit Punkt 9: Herstellen eines falschen Konsenses)

1. Beispiel

„Petra Kellys Grüne Partei. Mehr Bewegung als eine Partei. Eine Koalition von Außenseitern: von Ökologen, Homosexuellen, Feministinnen, Vegetariern, wiederauferstandenen Protestlern der 60er Jahre.“ (Bericht im US-Fernsehen über die Deutschen Grünen. Aus dem Film „Die Grünen. Wie uns die Nachbarn sehen“, WDF-Dokumentation 1985)

2. Beispiel

Vor Lafontaines Rücktritt 1999, so vermeine ich mich gut zu erinnern, wurde wiederholt in der Bild-Zeitung gewichtig ein englisches Boulevard-Blatt (Sun) zitiert: „dies ist der gefährlichste Mann Europas.“ (Ich glaube, es war auch immer ein Foto von diesem gefährlichen Mann dabei mit abgebildet). Siehe dazu auch: Der Ruecktritt Oskar Lafontaines von allen Ämtern hat an der Börse die Kurse kräftig steigen lassen.“

 

 

No. 15

Der Trick

Leichte Form der Totschlagsargumente („Killerphrasen“)

Bedeutung

Soll konstruktive Diskussion verhindern. Andere (unliebsame) Meinungen und Fragen sollen per autoritärer Verfügung verhindert oder eingeschränkt werden; jemand soll nicht ernstgenommen bzw. abgewimmelt werden (Mobbing).

Eine schwache Darlegung dieser Thematik findet man bei „Philognosie

1. Beispiel

"Du bist noch zu jung, um das beurteilen (verstehen) zu können"

2. Beispiel

„Dazu fehlt uns leider die Zeit"

3. Beispiel

"Das ist bloße (graue) Theorie!"

4. Beispiel

"Dafür sind wir nicht zuständig"

5. Beispiel

„Das ist bei uns (den X) nicht üblich. Wir sind keine Y“

6. Beispiel

„Das ist Geschmackssache“

7. Beispiel

„Das macht keinen Sinn“

8. Beispiel

“Es wurde doch immer schon geklagt, daß früher alles besser war”

9. Beispiel

“Wollen Sie die Verantwortung dafür übernehmen?”

 

 

 

 

 

Zur Trickliste ab No. 16

 

 

 

[Home] [Philosophen] [Marx] [Plato] [Adorno] [Projekt Argumentation] [Mathematik] [00-Spießer-Demokratie] [div. SPEZIAL-THEMEN] [Links]