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Tabelle ideologischer Argumentationstricks
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No. 16a
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Der Trick
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Mit Hilfe von Fehlargumentation unbewußt Abwehrmechanismen produzieren (z.B. ‚Verleugnung’ )
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Bedeutung
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Dient dazu, die Auseinandersetzung mit unliebsamen Problemen, beispielsweise eigene Schuld aber auch unliebsame
Realität, vor dem eigenen Bewußtsein und dem Bewußtsein anderer abzuwehren.
Eine wichtige Facette des unbewußten Abwehrens unliebsamer Realität ist der Abwehrmechanismus ‚Verleugnung‘
: <Negieren, daß bestimmte Sinneseindrücke, die Angst oder Verletzung hervorrufen, stattgefunden haben; z.B. ein belastendes Ereignis oder eine Belastung durch ein spezielles Ereignis.> (Aus Psychologie-Lexikon). Es würde sich somit um Fälle von persönlicher
‚Geschichtsklitterung‘ handeln, was in tangierenden Interessenkonstellationen zu erheblichen Diskrepanzen führen kann, da aufgrund mangelnder realistischer Einsicht ein vernünftiger
Konsens nicht herstellbar ist.
Ein weiterer, sehr häufig vorkommender, unbewußter Vorgang zum Zwecke des Abwehrens unliebsamer Realität ist die polarisierende
Argumentation: es gibt nur den absoluten Gegensatz, nicht den einfachen Gegensatz, nichts vermittelndes und nichts dazwischen. (Logischerweise ist der absolute Gegensatz etwas völlig anderes als der einfache Gegensatz: Der einfache Gegensatz zu Weiß ist nicht Schwarz sondern alles mögliche andere an Farben außer Weiß. Schwarz ist zu Weiß der absolute Gegensatz). Ein wichtiger Spezialfall der polarisierenden Argumentation ist die Nullsummenargumentation: die eine Seite existiert nur auf
Kosten der anderen Seite (beispielsweise Instinkt vs. Verstand). Oder dein Gewinn ist mein Verlust, weshalb ich deinen Gewinn (unbewußterweise) unbedingt zwanghaft herabsetzen muß. (Hier wird die
Möglichkeit des beiderseitigen Gewinns durch Kooperation ignoriert).
Ist verwandt mit Punkt 2 „Datenverdünnung“.
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1. Beispiel
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Abwehr eigener Schuld: Ein Vater, der sein Kind früher sexuell mißbrauchte, sah hierin kein Problem: „Ich hatte nicht das Gefühl gehabt, daß Du therapiebedürftig bist in diesem Zusammenhang.“ (Echtes Zitat aus dem Film: „Kindesmissbrauch: tiefe Wunden, verletzte Seelen“, RTL 2010; darin wird aus dem Film des Filmemachers Michael Stock zitiert: „Postcard to Daddy“). – Die Fehlargumentation, die hier verwendet wird, ist das ‚Argumentum ad ignorantiam‘. (Siehe zur näheren
Erläuterung Beispiel 9 der von mir aufgelisteten Fehl-Argumentationen).
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2. Beispiel
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Polarisierung: Es gibt nur entweder verwöhnende Erziehung oder autoritäre Erziehung. Bei dieser (üblicherweise unbewußten) polaren Ansicht wird übersehen, daß es nicht nur diesen absoluten Gegensatz gibt sondern auch den einfachen Gegensatz. Der einfache Gegensatz zur verwöhnenden Erziehung ist die ‚antiautoritaere Erziehung‘ (als Fachbegriff im Sinne Alexander Neills) bzw. die
autoritative Erziehung. Desgleichen ist der einfache Gegensatz zur autoritären Erziehung ebenfalls die autoritative bzw. antiautoritäre Erziehung.
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3. Beispiel
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Polarisierung: <Denn über eines war ich mir im Klaren: Wenn es eben nicht gelingen konnte, die englische Freundschaft zu bekommen, dann war es besser die Feindschaft traf Deutschland in dem Augenblick, in dem ich selber noch an der Führung des Reiches stand. Denn wenn durch meine Maßnahmen und durch mein Entgegenkommen diese englische Freundschaft nicht zu erwerben war, dann war sie für alle Zukunft nicht zu erwerben. Dann blieb nichts anderes übrig als der Kampf.> (Hitler im Sportpalast 03.10.1941). Die Haltlosigkeit der Argumentation liegt hier in der künstlich eingeschränkten Fallunterscheidung: entweder Freundschaft oder Krieg. Daß es dazwischen noch ein breites Spektrum an Möglichkeiten gibt, fällt damit unter den Tisch. (Vgl. Dazu auch Haltlose Hitler-Argumentationen (3))
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No. 16b
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Der Trick
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unbewußte strategische Lüge
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Bedeutung
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Es ‚trifft sich einfach zu gut‘, eine Unwahrheit als richtig anzusehen und dies dann nach Außen und nach Innen
offensiv zur Überzeugung zu machen. Es handelt sich wie bei 16a um einen unbewußten Abwehrmechanismus. Nicht nur das bewußte strategische Lügen (siehe No.24), sondern auch dieses Lügen, das dem
Unbewußten entstammt, kann als strategisches Mittel eingesetzt werden, um einen Vorteil zu erlangen bzw. um Fehlverhalten zu kaschieren. Erhebliche Nachteile von dadurch betroffenen Menschen werden
nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern geradezu als gerechtfertigt angesehen.
Es kann durchaus auch gewisse Überschneidungen hin zur bewußten Lüge (siehe No.24) geben. Jemand, der sich der unbewußten
strategischen Lüge hingibt, nimmt es mit der Wahrheit generell nicht genau und kann durchaus noch ein paar bewußte, vorsätzliche Lügen (sozusagen für den guten Zweck) oben draufsatteln.
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1.Beispiel
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Der deutsche Antisemitismus nach dem 1. Weltkrieg diente etlichen deutschen Militärs dazu, nachträglich das
eigene Fehlverhalten des begeisterten leichtfertigen Kriegseintritts 1914 und seine Folgen 1918 zu kaschieren. Diese Ideologie ‚paßte einfach zu gut‘, um sich mit ihrer Hilfe zu
exkulpieren: Der 1. Weltkrieg war in Wahrheit, ihrer (haltlosen) Ansicht nach, ein Machwerk des internationalen Judentums. Sie selber waren somit nur die unschuldigen Opfer finsterer Machenschaften.
(Vgl. dazu: Politisch=Anthropologische Monatsschrift XIX. 3, 1920, Artikel „Die Weltkrankheit“, verfaßt vom Herausgeber Dr. Schmidt-Eibichenfels. Siehe des Weiteren auch den Aufsatz „Haltlose Hitler-Argumentationen“ Punkt 4). Es handelt sich hier um ein Beispiel von ‚Geschichtsklitterung‘.
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2.Beispiel
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Negativistische Projektion eigener Problemstellungen auf andere Menschen. Ein wichtiger Aspekt dieser unbewußten
Vorgänge ist die Projektion des Schattenarchetyps gemäß C.G. Jung. Wikipedia: <Die Projektion des Schattenarchetyps, also verdrängter eigener Eigenschaften, Wünsche und Taten – vor allem solcher, die mit
gesellschaftlichen Normen in Konflikt stehen, oder für die sich der Projizierende schämt – auf andere Menschen, um sich selbst von diesen distanzieren zu können. Es handelt
sich um einen Abwehrmechanismus zur Bewältigung der Negativanteile der eigenen Persönlichkeit. Dieser Abwehrmechanismus führt aber häufig zu sozialen Konflikten, bis hin zu
der Verfolgung von Minderheiten und Krieg.>
Ein konkreter Fall dazu: < Beispielsweise hatte der Maulstinker Rüdiger Braun, ein blond gescheitelter Mitschüler (vermutlich Nazi-Elternhaus), mit dem ich eigentlich ziemlich viel zu tun hatte, plötzlich die Eingebung, den Jungens in einer Schulhofpause zu versichern: Er hätte mich im Bergwerkswald heimlich genau beobachtet, wie ich ein Mädchen an einen Baum gefesselt hätte und dann… (… man weiß ja! weiter hat er nie erzählt). Ich war völlig platt über diese aus der Luft gegriffene Phantasieleistung! Das Einzige was daran stimmte war, daß ich äußerst gerne im romantischen Bergwerkswald war. – Was blieb mir übrig, als ihn nach der Schule zum Kampf in den nahegelegenen Trümmern rauszufordern. Danach lief er mit blutender Nase zu meiner Mutter am Wurstbudchen und beschwerte sich über mich.
Der arme Maulstinker, gegen den ich eigentlich nie wirklich was hatte, hat es also für nötig befunden, ein
Vorurteil gegen mich zu produzieren und dies auch noch auf diese drastische Weise unter die Mitschüler zu bringen. Was war – um jetzt meine Theorie anzuwenden - sein Problem? Offenbar muß er
gespürt haben, daß er in vielerlei Hinsicht arm dran war. Obwohl er in meinen Augen durchaus ein starker Kerl war. Aber wenn ich es mir genauer überlege, gab es bei mir wesentlich mehr Action als bei
ihm. Und wer weiß, mit welchen sexuellen Verklemmungen (die er auf mich projizierte) er sich (schon) damals rumplagte, und was sie eigentlich bedeuteten?>
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No. 17
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Der Trick
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Irrelevante, pseudo-plausible Gegenargumente zur Stützung antikooperativer Mentalität
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Bedeutung
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Es soll nicht darum gehen, einen kritischen Sachverhalt objektiv zu würdigen und gemeinsam zu produktiven
Lösungen zu gelangen, sondern durch pseudo-plausibles Kontern Kritik abzuwehren. Ergebnis ist feindseliges Gegeneinander und Respektlosigkeit statt Kooperation.
Ist verwandt mit Punkt 16 „Abwehrmechanismen“.
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1. Beispiel
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Argument: „Ein Praktikant soll Einblick in die Realität des Berufslebens erhalten. Zum üblichen Berufsleben gehört auch, daß man zu besonderen Anlässen (‚Stoßzeiten’) Überstunden macht, die später wieder ausgeglichen werden.“ (Rede an den entschwindenden Praktikanten). - Gegenargument: „Es ist nicht akzeptabel, daß eine Angestellte, die erst seit kurzem im Betrieb ist, mir gegenüber diese kritische Ansicht äußert.“ (Empörte Rede des Praktikanten am nächsten Tag). Anmerkung: Jene Angestellte war eine äußerst fähige Frau, die den Laden schon von früher her in und auswendig kannte.
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2. Beispiel
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Ein Mieter läßt eines seiner Fenster im Winter bei 6,5 Grad Minus gekippt offenstehen und fährt für eine Woche
weg. Bei anschließendem Gespräch des Vermieters mit ihm darüber wird vom Mieter gefragt, ob er das Fenster nun nicht mehr zum Lüften aufmachen dürfe?
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No. 18a
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Der Trick
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Per Macht- oder Autoritätsdekret bestimmen, was die Wahrheit ist
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Bedeutung
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Dient dazu, eine bestimmte Richtung bzw. deren Argumente nicht ernst zu nehmen.
Soll für den unwahren Konsens sorgen (vgl. 9). Dient auch zum Mobben einer unliebsamen (beispielsweise
politischen) Richtung (vgl. Punkt 14).
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1. Beispiel
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Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2010. Als Kandidaten gibt es Wulff (vom Regierungslager CDU/CSU/FDP) vs.
Gauck (SPD/Grüne). Da im Regierungslager eine gewisse Uneinigkeit herrschte, hätte Gauck die Wahl gewinnen können, wenn ‚die Linken’ ihn ebenfalls unterstützt hätten. Offenbar deswegen, weil
Gauck ehemaliger Bundesbeauftragter für die Unterlagen der Stasi war, wird offiziös gefolgert: Die Linken („die ewig Gestrigen“) konnten sich nicht von ihrer Stasi-Vergangenheit lösen („sie
konnten nicht über ihren SED-Schatten springen“), sie habe sich nicht von ihrem alten SED- und Stasi-Erbe befreien können. Die Linken (Gysi, Lafontaine et. al.) jedoch hatten ihre eigenen
Argumente, auf welche jene offiziösen Verlautbarungen nicht eingehen. Denn sowohl Gauck hat nix für die Linken als solche übrig, er ist Konservativer, und umgekehrt wird Gauck von den Linken
kritisiert: Er befürworte beispielsweise Sozialabbau und den Afghanistan-Einsatz. Ihre Argumente werden schlicht nicht ernst genommen, es wird offiziöserseits nicht für nötig gehalten, sich mit ihnen
auseinander zu setzen. Vor allem nicht damit, daß ihre Meinung zu einem etwaigen gemeinsamen Kandidaten nicht eingeholt wurde. Damit wird per offiziösem Machtdekret durchgepaukt, wie die historische
Wahrheit auszusehen hat: d.h. warum eigentlich, d.h. ‚in Wahrheit’, Gauck nicht von den Linken bei der Bundesversammlung am 30.06.10 unterstützt wurde.
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2. Beispiel
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Offenbar im einflußnehmenden Zusammenhang mit einem bevorstehenden, strittigen Entscheid des Stadtparlaments zur
Art der Restauration bzw. Abriß und Modernisierung der alten Gießener Bahnhofstreppe, erschien in einer der beiden Gießener Hauptzeitungen ein Artikel über die Architekten-Autoritat Birger Rohrbach
mit einschlägigen Zitaten. Qua Architekt weiß er genau, was die Erklärung für den Wunsch diverser Bürger nach Rekonstruktion alter Gebäude ist (z.B. Giessener Bahnhofstreppe, Berliner
Stadtschloß, mittelalterliche Fachwerkhäuser am Frankfurter Römer): „Die Menschen haben wenig Vertrauen in die Moderne. Die Zeiten sind ihnen zu schnell, das Leben ist ihnen zu hektisch. Die gute,
alte Zeit, als alles noch überschaubar war, soll heraufbeschworen werden.“ Obwohl dies im alltäglichen Leben nicht funktioniere, werde die Berücksichtigung dieser Gefühle jedoch von der
Architektur abverlangt. (Artikel von Erhard Goltze: „Wenig Vertrauen in die Moderne“. Architekt Birger Rohrbach über die Frage, wie historische Bausubstanz und zeitgemäße Architektur
korrespondieren können. In: Giessener Anzeiger, 19.07.10, S.9).
Die Frage, welche Argumente irgendwelche Befürworter jener Rekonstruktionen tatsächlich haben, interessiert
Birger Rohrbach offenbar nicht die Bohne. Es wird einfach per offiziösem Architekten-Autoritäts-Dekret über sie hinweg geurteilt, was sie eigentlich, d.h. ‚in Wahrheit’, (Minderwertiges) denken
und fühlen. Moderne Bürger, speziell die Verantwortlichen im Stadtparlament, sollten es sich wohl überlegen, ob sie sich solchen Hinterwäldlern anschließen wollen.
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No. 18b
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Der Trick
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Intersubjektivität als ausschließliches Objektivitäts- bzw. Wahrheitskriterium
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Bedeutung
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Es geht dabei nicht primär um die Gegenstandsadäquatheit sondern primär darum, jemanden mundtot zu machen, weil (angeblich) alle
anderen (relevanten Leute) das anders sehen.
Ist eng verwandt mit No.18a: Per Macht- oder Autoritätsdekret bestimmen, was die Wahrheit ist.
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1.Beispiel
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Der Chemie-Nobelpreisträger von 2011, Daniel Shechtman.
Englische Wikipedia: <Shechtman experienced [erlebte] several years of hostility [Feindseligkeit] toward his non-periodic interpretation (no less a figure [kein
Geringerer] than Linus Pauling said he was "talking nonsense" and "There is no such thing as quasicrystals, only quasi-scientists.").
The head of Shechtman's research group [Forschungsgruppe] told him to "go back and read the textbook
[Lehrbuch]" and then "asked him [auffordern] to leave for 'bringing disgrace [Blamage, Schande]' on the team." - Shechtman felt rejected.>
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No. 19
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Der Trick
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Individualisierung gesellschaftlicher Probleme
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Bedeutung
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Dient dazu, von den wirklichen Hauptproblemen auf Nebenprobleme abzulenken. Soll den gesellschaftlichen Status quo vor Kritik
bewahren.
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1. Beispiel
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<Nicht falsche Ernährung, sondern mangelnde Bewegung führt laut einem deutschen Mediziner zu immer mehr
übergewichtigen Kindern. Seiner Ansicht nach essen sie heutzutage sogar weniger als vor 20 Jahren ... Wenn man den Trend in Richtung amerikanische Verhältnisse stoppen oder gar umkehren will, müssten
die Kinder laut Lentze wieder in Bewegung gesetzt werden und sich etwa in Sportvereinen austoben können.> <Dies erklärte Michael Lentze vom Bonner Zentrum für Kinderheilkunde bei einem
Pressetermin in Genf.> Quelle: sciencev1.orf.at/science/news/143746
Früher, zu meiner Zeit, in den 50 er Jahren, mußte man uns Kinder nicht in Sportvereine schicken, damit wir uns
austoben konnten! Da gab es noch genügend Freiraum (frei zugängliche Trümmer, Wald & Feld, Neubauten, Schuttplätze, Bunkeranlagen, alte Burgen, Bergwerke, Flüsse, wilde Zeltplätze, usw.,) der
mittlerweile total
beschnitten ist. Das Problem ist also kein individuelles Problem der Kinder, die zuviel vor dem TV sitzen oder am Computer herumdaddeln, sondern die industriegesellschaftlich totalitäre Beschneidung der Freiheitsspielräume. Daß die gewinn-orientierte Industriegesellschaft die entsprechenden Surrogate nur allzugerne zur Verfügung stellt, wenn sich dadurch Absatz ergibt, ist ja wohl logisch. Eines der Folge-Probleme (Übergewicht) wird nunmehr in ein individuelles Schuldproblem umgemünzt, daß die Kinder sich nicht in (von Erwachsenen regulierten) Sportvereinen “austoben”.
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No. 20
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Der Trick
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Entscheidende Erklärungs-Determinanten nicht mit-berücksichtigen
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Bedeutung
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Dient dazu, von den wirklichen Hauptproblemen auf Nebenprobleme abzulenken. Soll den gesellschaftlichen Status quo vor Kritik
bewahren. (Verwandtschaft mit Punkt 19).
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1. Beispiel
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Bezüglich einer Berliner dpa-Meldung heißt es im “Gießener Anzeiger” vom 11.08.10, S. 1:
<Nur 14 Prozent leben gesund. Experten schlagen Alarm - Bürger ernähren sich falsch und bewegen
sich zu wenig >. In dieser ‘Studie’ von 2010 der “Kölner Sporthochschule” gibt es 5 Determinanten: 1. Bewegung (hauptsächlich also Sport aber auch körperliche
Arbeit) 2. ausgewogenes Essen (das berühmte “Obst und Gemüse”) 3. dann natürlich König Alkohol und 4. das teuflische Rauchen, schließlich 5. interessanterweise auch Stress.
Genaueres, was denn nun das Ungesunde ausmache - und in welchen Relationen zueinander - findet man nicht in
den üblichen Presseberichten zu dieser Studie. Das wird offenbar wie selbstverständlich vorausgesetzt (Vgl. z.B. den etwas ausgiebigeren und ansatzweisen kritischen Bericht: Vom Stern.de).
Unter ‘Stress’ kann man viel verstehen: zählen in der Studie dazu auch Beziehungsprobleme?
Psychosomatische Probleme (aufgrund von sozialer Widersprüchlichkeit)? Was verstehen die Befragten
unter Stress? Inwiefern sind deren Antworten (wissenschaftlich) sinnvoll? - Und last not least - würden sich denn auch die Medien für solche Differenzierungen, wenn sie in jener öffentlichwirksamen ‘Studie’ tatsächlich stattfänden, interessieren?
Und was heißt ‘gesund leben’? Gibt es nicht auch sowas wie Sportunfälle und Arbeitsunfälle oder auch
jede Menge Unfälle im Straßenverkehr? Wird beispielsweise die Anzahl der Teilnahmen am Straßenverkehr im Kraftfahrzeug bei der Studie mit gewichtet?
Diese Fragen weisen darauf hin, daß bei jener Studie allem Anschein nach das Augenmerk für Gesundheit offenbar
ziemlich einseitig auf sozusagen gesellschaftlich ‘genehme’ Faktoren (möglichst individuelle - vgl. Punkt 19) gelegt wird, während andere (gesellschaftlich unangenehme) wesentliche
Faktoren (wie miserable Beziehungen, Psychosomatik, Unfallträchtigkeit) nicht wirklich mit in den Fokus kommen.
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No. 21
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Der Trick
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Suche nach vermeintlichen argumentativen Schwachstellen, um daraus einen Strick drehen zu können - statt
ernsthafter argumentativer Auseinandersetzung
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Bedeutung
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Dient dazu, “unbequeme Zeitgenossen zum Schweigen zu bringen” (Formulierung der “Märkischen
Allgemeinen” zum Fall Sarrazin lt. “Gießener Anzeiger” vom 3.9.10). Ist verwandt mit Nr. 01 (“Bote schlechter Nachrichten”) und/oder mit Nr. 14 (“Als
Außenseiter ausgrenzen”).
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1. Beispiel
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Der Fall Thilo Sarrazin im Stadium der Hetzkampagne vom 28.08.10:
<Dass die Chancen auf einen Erfolg bei einem neuen Parteiausschlussverfahren keineswegs größer sein dürften ist den Genossen klar. Was Sarrazin aktuell schreibe, stelle keine neue Qualität gegenüber früheren Äußerungen dar, etwa eindeutigen Rassismus. Deshalb soll das Buch jetzt von vorne bis hinten genau analysiert werden, ob es eine Handhabe gegen den unliebsamen Parteifreund hergibt.> (Artikel von Christoph Slangen im “Gießener Anzeiger” vom 28.08.10, S. 2 mit dem Titel “Ein ganz unbotmäßiges Parteimitglied”).
Im Stadium der Hetzkampagne ab dem 30.08.10
konnte ihm endlich der Strick gedreht werden. Hatte er doch auf die Frage eines Interviewers der “Welt am Sonntag”, ob es außer der kulturellen auch eine genetische Identität gebe die Antwort gegeben: “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.” (Gießener Anzeiger vom 30.08.10, S.2 unten). Nunmehr war endlich ‘bewiesen’, daß Sarrazin ein “Rassist” ist. Die Hetzjagd konnte sich steigern. So heißt es besonders krass, aber durchaus noch im gegebenen Rahmen jener Hetzkampagne, in Antifa vom 31.08.10 mit der Überschrift “Rassist Sarrazin kommt ins Literaturhaus München - Auftritt verhindern”: <Liebe AntirassistInnen, der widerliche rassistische, antisemitische (da er JüdInnen als genetischfestgeschriebene Gruppe von Menschen definiert) und sozialdarwinistischeMedien-Zampano Thilo Sarazzin will am 29. September mit einem Auftritt imLiteraturhaus die Münchner Öffentlichkeit belästigen. Die GenossInnen ausRosenheim meinten ganz richtiger Weise, dass dieser Auftritt nichtstattfinden sollte.> - Inwieweit die Äußerung zu den Genen harmlos ist oder nicht, wurde üblicherweise nicht debattiert. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sarrazins Äußerung findet sich bei Andreas
Vonderach: Haben Voelker eine genetische Identitaet? Üblicherweise wird außerdem bei der Hetzkampagne die Sache mit den Genen nur noch ausschließlich auf die Juden bezogen, offenbar um ihm Antisemitismus unterstellen zu können. (Nicht auch noch Antibaskizismus, was doch genauso nahe liegen würde). Wie er es tatsächlich meinte, kann man in Focus online vom 2.9.10 nachlesen: <Eigentlich habe er in dem Interview der „Welt am Sonntag“ nur auf allgemeine genetische Ähnlichkeiten hinweisen wollen. Die Juden seien ihm als erstes eingefallen, weil er dazu gerade etwas gelesen habe. „Ich hätte sagen sollen, Ostfriesen oder Isländer, dann wäre es kein Thema gewesen“, sagte er.
Sarrazin bezeichnete es als „Dummheit“, dass er diese Äußerung im Interviewtext nicht nachträglich gestrichen habe. „Das war mein Blackout“, sagte er. Er habe sich von der Zeitung
„aufs Glatteis“ führen lassen.>
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2. Beispiel
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Wirbel um Äußerungen des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzek zur Deutschen Wiedervereinigung -
20 Jahre danach: <Er hatte eine “Anschlusshaltung” auf der westdeutschen Seite beklagt, die nach 1990 im Osten verantwortlich für viele gesellschaftliche Verwerfungen gewesen sei.
Platzecks Wortwahl sorgt für Protest selbst von Seiten politischer Weggefährten. Den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes mit dem “Anschluss” Österreichs an
Nazi-Deutschland in Verbindung zu bringen, sei schon 1990 “vollkommen abwegig gewesen”, kritisierte Richard Schröder, vor 20 Jahren Chef der SPD-Fraktion in der DDR-Volkskammer. ...
Brandenburgs Grünen-Chefin Annelena Baerbock sagte, der Ministerpräsident schüre “auf Stammtischniveau die Emotionen zwischen Ost und West”.> (Artikel von Rasmus Buchsteiner im
“Gießener Anzeiger” vom 1.9.10, S. 2 mit dem Titel: “Die deutsche Einheit und die gefühlte deutsche Einheit”).
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No. 22
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Der Trick
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‘Schutzgelderpressung’ - oder ‘vorauseilender Gehorsam’
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Bedeutung
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Der Argumentierende soll sich gehorsam im Rahmen der Borniertheit von Argumentationsunfähigen bzw. -unwilligen
bewegen und diesen unterwerfend gefällig sein. Er wird zu diesem Gehorsam erpreßt, bei Strafe des falschen, vorurteilsvollen Verständnisses irgendwelcher dem bornierten (öffentlichen) Geist
zuwiderlaufenden Formulierungen (Siehe auch oben No. 21).
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1. Beispiel
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<Natürlich hat Sarrazin mit dem hanebüchenen Juden-Vergleich derart überzogen, dass er schleunigst in Rente
gehen sollte. Und zwar freiwillig, das wäre der beste Dienst, den er uns, sich und seinem Anliegen, sofern er wirklich eines hat, noch erweisen könnte. Im Ruhestand könnte er dann den Fortgang der
Debatte verfolgen. ... Der Mann ist eine rhetorische Niete und steht trotz aller Polemik auf dem Boden des Grundgesetzes.> (Die Zitate stammen aus dem Kommentar von Lars Hennemann im
“Gießener Anzeiger” vom 6.9.10, S.2 mit dem Titel “Schafft Sarrazin ab”.
Zum Thema “Juden-Vergleich” (was hat Sarrazin eigentlich ‘verglichen’?), siehe oben No.
21, das 1. Beispiel. Sobald ein politisch angeblich nicht korrektes Signalwort auftaucht, (hier das Wort ‚Jude‘ im Zusammenhang mit Genetik), gibt es ein Raster der Borniertheit, das unbedingt
bei einem unbequemen Geist was Schlimmes erschnüffeln will (hier: Rassismus oder gar Antisemitismus). Solcherlei Vorurteilsbildungen sind typisch für spießbürgerliche Borniertheit. Sarrazin selber
hat erkannt, daß er hier (mit seinen Juden und Basken) einen Fehler begangen hat, aber doch
nur, weil er auf jene öffentliche spießbürgerliche Vorurteilsbereitschaft (beachte auch das verräterische Wörtchen “uns”, wie dies bei dem Kommentator zum Ausdruck kommt), im
vorauseilenden Gehorsam nicht genügend Rücksicht genommen hat. - Es ist wie bei der Schutzgelderpressung: der Wirt soll Schutzgeld bezahlen, damit er davor geschützt ist, daß ihm sein Restaurant
nicht demoliert wird - und zwar denen gegenüber, die ihm am Ehesten sein Restaurant ansonsten demolieren. - Es geht nicht um etwas Objektives, an und für sich Haltbares, sondern um Willkür, vor der
man sich in Acht zu nehmen hat. Die Willkür ist in dem Trick No.22 der Realitätskontrollverlust, d.h. die unkontrollierte negativistische Phantasie autoritärer Spießbürger.
Anmerkung: Es geht mir hier nicht darum, Sarrazins Ansichten zu verteidigen. Inhalte sind bei der Argumentationstheorie generell nicht das Thema, sondern lediglich die Haltlosigkeit einer gegebenen Argumentation. - Inhaltlich gesehen geht es mir, wie jedem wahrheitsliebenden und in diesem Sinne freiheitlich denkenden Menschen, um Artikel 5, Absatz 1 und 3 des Grundgesetzes, wenn man den Sinn dieses Verfassungsartikels (in jenen beiden Absätzen) denn wirklich weitestgehendst sanktionsfrei ernst nehmen würde. - Auch
habe ich wenig Sympathie für das Verhalten der SPD Sarrazin gegenüber. Die SPD, die doch noch in den 70er Jahren offiziöserweise meinte, sie stünde auf der Linie von Sir Karl Popper. Also daß diese
SPD einen kritischen Geist mit Ausschluß bedroht, statt sich mit seinen Argumenten ernsthaft & redlich öffentlich auseinanderzusetzen. (Vgl. dazu: “Kritischer Rationalismus und
Sozialdemokratie”, herausgeben von Georg Lührs, Thilo Sarrazin, Frithjof Speer und Manfred Tietzel. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH, Berlin, Bad Godesberg
1975. Zweiter Band 1976 und eine Art dritter Band mit dem Titel “Theorie und Politik aus kritisch-rationaler Sicht, 1978.)
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No. 23
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Der Trick
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Täuschungsmanöver
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Bedeutung
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Dieser älteste aller Tricks geht ganz klar auf Betrug aus. Ein Ahnungsloser soll mit diesem Trick ‚reingelegt‘ werden.
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1.Beispiel
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<Die Geschichte der deutschen Herrschaft in ihrer ersten Afrika-Kolonie gehört zu den trübsten Kapiteln der
gesamten Kolonialgeschichte. Sie begann, als der Bremer Tabakimporteur Adolf Lüderitz 1883 den Schwarzen vom Nama-Stamm die Bucht von Angra Pequena, die spätere Lüderitzbucht, für 600 englische Pfund
und 260 Gewehre abkaufte. Im gleichen Jahr betrog er die Afrikaner vom Bethanier-Stamm, denen er den Küstenstreifen vom Oranje-Fluß bis zum 26. südlichen Breitengrad in einer Tiefe von 20
geographischen Meilen abhandelte. Vorsätzlich wurden die Afrikaner nicht darüber aufgeklärt, daß eine geographische Meile 7,4 Kilometer beträgt und nicht 1,5 Kilometer, wie die vertraute englische
Meile.> (Aus: Der Spiegel Nr. 45/1976, Seite 136. In dem Artikel „Jeder nimmt zehn Schwarze mit ins Grab“, S. 130-145., über Deutsche in Namibia, das ehemalige
Deutsch-Südwestafrika und die ursprüngliche dortige deutsche Kolonialpolitik zwischen 1883 und 1918.)
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No. 24
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Der Trick
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Bewußtes, vorsätzliches, strategisches Lügen
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Bedeutung
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Gemeint ist hier das Lügen als strategisch eingesetztes Mittel, um einen Vorteil zu erlangen bzw. um Fehlverhalten zu kaschieren.
Es geht darum, das soziale Feld unredlich und skrupellos zu beeinflussen, um eine Machtposition bzw. Vorteilsposition zu erlangen oder zu bewahren. Erhebliche Nachteile von dadurch betroffenen
Menschen werden billigend in Kauf genommen.
Es kann durchaus Überschneidungen zur unbewußten strategischen Lüge (Vgl. oben Punkt 16b) geben, wenn nämlich auf die unbewußte
strategische Lüge noch bewußte strategische Lügen oben draufgesattelt werden.
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1.Beispiel
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<Leon Wurmser (1999) machte auf das Problem der institutionellen Verankerung der bewussten Lüge aufmerksam. Als Beispiele nennt er Krankenhäuser, Universitäten sowie Politik und Wirtschaft. Er habe viele Patienten, bei denen das Lügen eine Gewohnheit sei, die erst in der Psychotherapie fragwürdig und dann zu einem gewichtigen Gewissensdilemma werde. Er selbst habe kaum je in einer Institution gearbeitet, wo das Lügen nicht zu einem Hauptinstrument der Macht, der Administration, geworden sei und die Weigerung daran teilzunehmen als Schwäche oder gar als Verrat behandelt worden wäre. Gewöhnlich werde nicht bedacht, dass kein Vertrauen in einer Gesellschaft möglich sei, in der Täuschung und Lügen geduldet, ja gepriesen werde und sich ein Abgrund des Misstrauens, ein paranoider Stil öffne, wenn das Ausmaß der Unwahrheit eine gewisse Schwelle überschreite.> (Zitat aus dem Wikipedia-Artikel Luege, darin der Abschnitt „Psychiatrisch-Psychotherapeutische Unterscheidungen“ (2011)).
Diese Ansicht findet eine indirekte Bestätigung darin, daß die Jury des ‚Dortmunder Vereins Deutsche
Sprache‘ folgende Überschrift aus der Berliner Tageszeitung „taz“ auf Platz eins (2011) der ausgewählten Schlagzeilen setzte: „Brüderle bei Ehrlichkeit ertappt“. Dazu berichtet der
Gießener Anzeiger am 26.11.11, Seite 3, als dpa-Meldung: <Die Zeitung habe die Schlitzohrigkeit des FDP-Politikers Rainer Brüderle auf den Punkt gebracht, hieß es am Freitag in einer Erklärung.
Brüderle soll im März vor Wirtschaftsführern gesagt haben, die vorläufige Abschaltung aller Atomkraftwerke sei vor allem den anstehenden Landtagswahlen geschuldet.>
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2.Beispiel
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Die PR-Agentur Hill & Knowlton <hatte auch im Auftrag der kuweitischen Herrscher Nachrichten gemacht: Um
die Kriegsstimmung der amerikanischen Bürger anzuheizen setzte die Agentur die (inszenierte) Meldung vom Babymord durch irakische Invasoren in die Welt.> (aus: Der Spiegel, 52/1992, Seite 121 in dem Artikel „Die Reklame-Republik“). Vgl. auch den
Internet-Artikel „Kriegspropaganda“. Vgl. weiterhin das Spiegel-Interview mit Stauber von „PR-Watch“ generell zur PR-Industrie in den USA „Saubere Namen für dreckige
Zwecke“ vom 11.05.2007: Spiegel Online.
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3.Beispiel
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Ein klassisches Beispiel für bewußte Geschichtsfälschung
ist die päpstlich getürkte ‚Konstantinische Schenkung‘. Dazu die Wikipedia: <Die Konstantinische Schenkung
(lateinisch Constitutum Constantini bzw. Donatio Constantini ad Silvestrem I papam) ist eine um das Jahr 800 gefälschte Urkunde, die angeblich in den Jahren 315/317 vom römischen Kaiser Konstantin I. ausgestellt wurde. Darin wird Papst Silvester I. und seinen sämtlichen Nachfolgern eine auf das Geistliche hingeordnete, aber auch politisch wirksame Oberherrschaft über Rom, Italien und die gesamte Westhälfte des Römischen Reichs geschenkt. Die Päpste nutzten die Urkunde, um ihre Vormacht in der Christenheit und territoriale Ansprüche zu begründen.> Weitere Einzelheiten siehe Wikipedia.
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No. 25
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Der Trick
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Verdrehen von Tatsachen
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Bedeutung
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Der Gegenseite soll die Schuld zugeschoben werden, um die eigene Schuld zu leugnen.
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1.Beispiel
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Inszenierung des Überfalls angeblich polnischer Aufständischer auf den deutschen Sender Gleiwitz am 31.August
1939. Das war am Abend vor dem deutschen Kriegsbeginn gegen Polen. Der ‚Völkische Beobachter‘ schrieb am nächsten Tag, dem Tag des Kriegsstarts, unter der Überschrift „Der unerhörte
Bandenüberfall auf den Sender Gleiwitz“, dass sich „die polnische Meute“ dazu habe „hinreißen lassen, die Reichsgrenze zu überschreiten, einen deutschen Sender zu überfallen, und die
Kriegsfackel an ein Pulverfaß zu legen, dessen Existenz vor der Geschichte die Polen einmal zu verantworten haben werden.“ (Siehe Wikipedia). Gemeint ist bei diesem Propagandatrick offenbar, daß nicht die Deutschen den Krieg gegen Polen zu verantworten haben, sondern die Polen schuld
sind am Kriegsausbruch.
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2.Beispiel
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Das Hauptargument der Koalition von SPD und Grünen gegen die Zulassung eines Bürgerbegehrens ab Mitte Februar
2012 gegen die Baumfällungen und Neuverschuldung wg. der geplanten Landesgartenschau 2014 in Gießen beruhte auf der Ansicht, daß der Zeitpunkt eines solchen Bürgerbegehrens viel zu spät sei. Die
Bürgerinitiative hätte Zeit genug vorher gehabt, die Pläne wären öffentlich gewesen. Die Bäume müßten noch jetzt im Februar gefällt werden, um die Landesgartenschau nicht auszubremsen. Der Zeitpunkt
für ein Bürgerbegehren hätte mindestens ½ Jahr früher sein müssen. Das „Linke Bündnis“ nahm dazu folgendermaßen Stellung: <„Damit wird…den Kritikern und Gegnern die Verantwortung für
den Verlauf der Auseinandersetzung und Terminierung des Bürgerbegehrens zugeschoben.“ … „Erst zum Schluss – nämlich im Oktober – wurde“, so der Stadtverordnete des
Linken Bündnisses, Michael Janitzki, „der Umfang der geplanten Eingriffe mit 360 Baumfällungen und weiteren Rodungen in der Wieseckaue durch einen Zufall bekannt, nicht durch eine offizielle
Information. Die Bürger wurden im November über die Fällungen informiert. Die zusätzlichen Schulden von 17,4 Millionen Euro nur für die Landesgartenschau standen erst im Dezember fest. In dieser
Situation gründete sich die BI und arbeitete schon in der ersten Sitzung auf ein Bürgerbegehren hin.> (Aus: Artikel im Gießener Anzeiger vom 08.02.12, Seite 14, mit der Überschrift: „Den
Terminplan bestimmt die Koalition“). Die Kritik an der Gartenschau entzündete sich eigentlich erst durch das Wissen um die geplanten Baumfällungen und gleich darauf unternommene (sinnlose)
Baumfällungen auf Anordnung der Grünen Bürgermeisterin, die gleichzeitig Dezernentin für die Gartenschau ist. Das erste größere Treffen der Kritiker war am 24. November, an der auch BUND und Nabu
teilnahmen. Von November bis Februar gab es rege Leserbriefstimmen im Gießener Anzeiger (vermutlich auch in der Gießener Allgemeinen) und viele Zeitungsartikel speziell bzgl. Wieseckaue aber auch
allgemein bzgl. Gartenschau. Am Samstag 14. Januar startete die Unterschriftenaktion für das Volksbegehren an einem Stand in der Hauptgeschäftsstraße Gießens. Es wurden 645 Unterschriften an diesem
ersten Tag erteilt. Am 23. Januar wurden 2012 Unterschriften übergeben. Insgesamt waren rund 2900 Unterschriften nötig (5% der Wahlberechtigten), um das Bürgerbegehren zu ermöglichen. Die letzten
Unterschriftenlisten wurden am 6. Februar übergeben. Am 10. Februar wurde die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens mit großer Mehrheit seitens der Abgeordneten des Stadtparlaments abgelehnt.
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3.Beispiel
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Der ‚Usurpatorkomplex‘: ein Begriff von Adorno in seinen
‚Studien zum autoritären Charakter‘. Er exemplifizierte die Relevanz dieses Begriffs am Beispiel des US-Präsidenten Theodor Roosevelt: Trotz seiner enormen Leistungen für die Wohlfahrt der
verarmten amerikanischen Bevölkerung in der Wirtschaftskrise seit 1929 wurde ihm von seiten autoritärer, konservativer Amerikaner der Vorwurf der Inkompetenz gemacht. Er habe sich sozusagen
ungerechtfertigterweise, also illegitim um Macht bemüht, daß er, obwohl unfähig, machtbesessen sei. Er habe also versucht, Macht zu usurpieren, die ihm eigentlich aufgrund seiner angeblichen
Inkompetenz gar nicht zustehe. Jemand, der diese Art Vorwürfe produziert, besitzt nach Adorno einen „Usurpatorkomplex“. Statt ihm also Anerkennung für seinen ‚New Deal‘ zu zollen, wurden
ihm von seiten derjenigen Kräfte, die das soziale Problem nicht lösen wollten, stattdessen noch massive Schuldvorwürfe gemacht.
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4.Beispiel
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Double-Bind-Kommunikation (siehe Näheres unter dem Thema „Gebertakt ueberspringen“): In solch einer paradoxen Beziehungsfalle ist das Opfer in jedem Falle schuldig. Einerseits, wenn es auf einer Metaebene die Paradoxie
der Sache durchschaut, und sich nicht drauf einläßt, wodurch es sich angeblich schuldig macht an der Zerstörung der Beziehung; andererseits wenn sich das Opfer vertrauensvoll einläßt, da es dann
etwas erwartet, was ihm jedoch verweigert wird, wodurch wiederum ein Schuldproblem seitens des Opfers entsteht. Der Täter bzw. die Täterin steht in jedem Falle (äußerlich, formell) gut da, wiewohl -
objektiv betrachtet - das Gegenteil der Fall ist.
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No. 26
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Der Trick
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Psychiatrisierungs-Argumentation
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Bedeutung
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Die Gegenseite soll nicht ernst genommen, für unzurechnungsfähig erklärt werden.
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1.Beispiel
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„Die Härte, mit der Du denkst, konsequent handeln zu müssen, erstaunt mich.“ – Gemäß dieses
Vorwurfs ‚denkt‘ die Gegenseite also einfach nur, so handeln zu müssen. Es wird bei diesem Vorwurf implizit unterstellt, daß jene zwanghaft konsequente Handlungsweise sachlich
nicht gerechtfertigt werden kann; daß es sich folglich lediglich um eine subjektive Marotte als Erklärung dafür handeln kann. Würde man die Gegenseite ernst nehmen, müßte es heißen: „Die Härte,
mit der Du so konsequent handelst, erstaunt mich. Ist dies wirklich sachlich gerechtfertigt?“
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2.Beispiel
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Die Vorgehensweise des „argumentum ad psychologicam“. Vgl. ‚Fehlerhafte Argumentation‘ – 4.Beispiel.
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