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Vgl. auch meine bisherigen diesbezüglichen Analysen: Empirische Übung 1 - Haltlose Hitler-Argumentationen und Empirische Übung 2 - Ideologiekritische Analyse eines FemDisk-Textes gegen Daniel Cohn-Bendit.
Das besonders Interessante an den ideologischen Argumentationstricks ist, daß man bei ihrer empirisch-analytischen Aufdeckung mit
einem Schlag in ein realitätsgesättigtes ‘Gegensatzfeld’ hineingeschleudert wird. Nichts ist meiner Ansicht nach Erhellender über die autoritäre soziale Realität (oder auch die psychologische Realität
eines Individuums im Rahmen jener autoritären sozialen Realität) als die empirisch-analytische Aufdeckung von ideologischen Argumentationstricks! Nichts zeigt deutlicher, welches reale (!) oft genug bösartige,
jedenfalls amoralische oder zumindest dogmatische, den freien Geist behindernde, Kräftefeld hier am Wirken ist. Kaum eine andere Darstellung als die Analyse des historischen und/oder sozialen Zusammenhangs in dem
die ideologischen Argumentationstricks stehen (beispielsweise bei einer Hitler-Rede) kann realistischer das wiedergeben, um was es bei einem autoritär strukturierten sozialen Kräftefeld wirklich geht. Ja, genau
dadurch wird jenes Kräftefeld eigentlich erst aufgedeckt. Und zwar deswegen, weil es meiner Ansicht nach mit Hilfe jener ideologischen Argumentation weitgehend überhaupt erst bewerkstelligt wird.
Das mag befremdend klingen, da man üblicherweise Sprache und Realität auseinander zu halten hat. Doch daß Sprache in gewissen Fällen
‘handfeste’ Realität ist bzw. solche erzeugt, liegt offenbar daran, daß die Welt für den Menschen erst sozial relevant wird “in Form der Meinungen, die es über die Welt gibt. Über sie und nur über
sie nämlich ist die Welt beeinflussbar und veränderbar...” (Kopperschmidt, J.: Argumentationstheorie zur Einführung, Junius, Dresden 2000, S.86).
Der Schriftsteller Heinrich Böll
drückt diesen Realisierungseffekt von Sprache konkret und drastisch aus: <Worte wirken, wir wissen es, haben es am eigenen Leib erfahren, Worte können Krieg vorbereiten, ihn herbeiführen, nicht immer sind es Worte, die Frieden stiften.> Böll sieht hier die Wörter als beides bewerkstelligend: Frieden, aber auch Krieg. Er fährt in der Charakterisierung der negativen Funktion von Wortverwendung fort: <Das Wort, dem gewissenlosen Demagogen ausgeliefert, dem puren Taktiker, dem Opportunisten, es kann zur Todesursache für Millionen werden, die meinungsbildenden Maschinen können es ausspucken wie ein Maschinengewehr seine Geschosse: vierhundert, sechshundert, achthundert in der Minute; eine beliebig zu klassifizierende Gruppe von Mitbürgern kann durch Worte dem Verderben ausgeliefert werden.> (Böll, H: Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze, Köln 1964, S. 440)
Wenn ich von ideologischer
Argumentation rede, so verwende ich den Ideologiebegriff nicht im Sinne von (irgendeiner oder speziell von unliebsamer) ‘Weltanschauung’, sondern wissens-soziologisch im Sinne jener unten in der Tabelle aufgelisteten haltlosen Argumentationsmuster, insoweit sie eine soziale (oder sozialpsychologische) Funktion haben und nicht nur einfache Irrtümer sind. Ein
Ideologe bzw. ideologisches Denken zeichnet sich gemäß dieser Definition dadurch aus, daß solcherlei unten in der Tabelle aufgelisteten Argumentationsmuster (“Tricks”)
argumentationsstrategisch benutzt werden, um bestimmte soziale Ziele und Zwecke zu erreichen. Einen davon vollkommen unabhängigen (kritisch gemeinten) Ideologie-Begriff, jenseits der Verwendung jener Tricks, halte
ich für gefährlich und deswegen für mich unannehmbar - da er selber wieder ideologisch, z.B. als Diffamierung ohne haltbare Begründung (vgl. Trick Nr. 6), verwendet werden kann. Ein Ideologe ist eo ipso autoritär, da ideologisches Denken (mithilfe jener Argumentationstricks) ein notwendiger und meiner Ansicht nach definierender Bestandteil des Autoritären an und für sich
und speziell auch des autoritären Charakters ist. Beides, autoritär und ideologisch, sind demgemäß nur zwei Seiten ein und derselben Medaille. Ein autoritäres soziales System (auch Teilsystem, beispielsweise eine Institution oder ein institutionelles Geschehen) zeichnet sich, gemäß dieser Sichtweise, notwendig durch die Prävalenz ideologischer Argumentationstricks bzw. Diktatur ideologischer Verfahrenstricks statt haltbarer Argumentation bezüglich bestimmter Themenstellungen aus.
Bei den aufgelisteten Argumentationstricks geht es weniger um einzelne haltlose Argumentationsformen, das natürlich
auch, sondern in der Hauptsache um bestimmte Verfahrensformen (argumentative Verfahrenstricks). Diese allgemeinere Sichtweise hat sich für mich mittlerweile als die fruchtbarere herausgestellt, um die
verschiedensten Facetten ideologischer Argumentation besser und gründlicher erfassen zu können.
In den folgenden Tabellen werden typische ideologische Argumentationsmuster formelhaft expliziert. Das soll theoretisch dazu dienen, genauer zu verdeutlichen, was Ideologie (im kritisch gemeinten Sinne) heißt und soll weiters dazu dienen, daß man praktischerweise in einer gegebenen Argumentation solch einen ‘Trick’ einzuordnen und seine Funktion einzuschätzen weiß. Man hat somit eine Meta-Ebene, die es im konkreten Diskurs unter Umständen erlaubt, gekonnt und von oben herunter auf solch einen Trick zu reagieren, statt von unten hoch hilflos nach Luft zu japsen. Desweiteren kann die Tabelle hoffentlich auch hilfreich sein, sich nicht durch autoritäre Argumentationstricks manipulieren zu lassen.
Trick-Liste No. 01-15
Trick-Liste ab No.16
Platons Akademie
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