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ENDE: tell me why???
Städtebau-Landschaften-Befühlswelten

 

2. Schutz und Ausweitung der ästhetischen Lebenssphäre der Menschen vs. gnadenlose Zerstörung der letzten Reste ästhetischer Lebenssphären in Städten und Landschaften und Ausweitung der Häßlichkeit (z.B. Sinfonien in Beton, Bebauung schöner Gegenden, Straßenverkehr ohne Ende).

 

 

Link: schöne Stadt Köln? [Link ist leider mittlerweile tot, März 09]

Link: schönes Giessen? - Diskussion unter Studenten.

Link: Die spanische Mittelmeerküste wird zunehmend erledigt.

interner Link: Gefühllosigkeit der Landschaften. Und die Folgen.

interner Link: 5 Schichten Scheiße

 

1. Beispiel:

Zuordnung der ‘Modernen Kunst’ zum Zerfall der Harmonie von Kultur und Natur

Die offizielle gegenwärtige Gesellschaft hat sich weitgehend desinteressiert gezeigt gegenüber der Frage ihrer ästhetischen Kritik und ihrer Analyse. Stattdessen sollen heutzutage die Leute lernen, in sog. Kunstausstellungen idiotische Welten zu akzeptieren, weil dies - nach meiner Theorie - in der Tat ‚ihrer’ städtebaulichen sozialen Realität entspricht. - Für die allgemeine Einübung in die Akzeptanz idiotischer Welten dient für Bildungsbürger offenbar als erste Adresse die ‚Documenta’ in Kassel, als internationales Kunstereignis. Hier werden vollkommen hirnrissige Geschichten als ‘Kunst’ dargeboten. Künstler, die wirklich etwas Interessantes und Realististisches vorstellen wollen, haben hier nichts zu suchen. Ich denke dabei insbesondere und paradigmatisch an den aus Gießen stammenden Maler Andreas Orosz. Da kann ich nur den Kopf schütteln über so viel Ideologie unserer angeblich ideologiefreien Gesellschaft!

 

2. Beispiel:

Sinfonie in Beton

Gerhard Zwerenz: Bericht aus dem Landesinneren. City Strecke Siedlung. (Fischer Taschenbuch 1974) schreibt zu der Zeit, als sich Deutschland mit der 4. Schicht Scheiße überzog, nicht nur über Autobahnen und Großstädte sondern auch über seine Erlebnisse einer Neubausiedlung in der Nähe von Frankfurt: einer Sinfonie in Beton. Er resümiert schließlich:

<In Nieder-Roden leben wir unter recht freundlichen Menschen. In den Geschäften begrüßen die Leute einander mit dem Familiennamen, auf dem überlasteten Mini-Postamt bleiben die überarbeiteten Beamten auch im schlimmsten Gedränge ruhig und höflich. Diese Umgänglichkeiten werden im Maße des Wachstums der Schroffheit und Hetze Platz machen. Der Mensch wird besiegt und seiner persönlichen Qualitäten enteignet. Selbst wenn alle einzelnen Mängel bereinigt werden könnten, bliebe noch der Irrsinn einer Zukunft, vor der uns grausen muß: Ich blicke aus dem Fenster über den See, die Gemeinde Nieder-Roden wächst weiter um den See herum, von der anderen Seite wachsen die nächsten Ortschaften heran, und alles miteinander wird jenen Betonklumpen bilden, der Rodgau-Stadt heißen soll und seinerseits an seinen Grenzen mit den Nachbarn verschmilzt. Die jetzt noch am Horizont sichtbaren Wälder sind dann zu städtischen Parks zusammengeholzt, St. Urbania hat die Natur vernichtet, die Menschen kaserniert, die Individuen bezwungen; zu welch einem Ameisendasein sind wir verurteilt? Die Stil- und Strukturlosigkeit dieser Moderne ist bereits zu besichtigen, man gehe in die jetzigen Siedlungen und multipliziere deren Langeweile mit ihrer Häßlichkeit. Wo bleibt also die Kraft, woher soll die Intelligenz kommen, die unsere zukünftigen Städte aus den Niederungen des schlechten Geschmacks und bloßen Profitstrebens emporhebt? Die jungen Sozialisten, die radikalen Demokraten und humanen Architekten, die Wege zur Besserung vorschlagen, trifft die publizistische Keule der Herrschenden mit Wucht.

...Ich erlaube mir, gegen die Verwandlung der Natur in belebte Abfallhalden ästhetischen Protest vorzubringen.> (S.224/225)

 

3. Beispiel:

Moderne Architektur

Ursula Wöll schreibt im “Gießener Anzeiger” in der Rubrik “Kultur” am 06.05.03 Seite 30 über einen Besuch einer Ausstellung in der Frankfurter Schirn (“Visionen und Utopien”) unter der Überschrift: “Rechte Winkel wider die Natur. Problematisch: Architekturzeichnungen in der Schirn”:

<...Die riesigen Wohnmaschinen eines Le Corbusier etwa fördern keineswegs die sozialen Kontakte unter ihren Bewohnern. Auch ihre kostensparend errichteten Plagiate, die Menschen nur noch stapeln, verhindern die Zersiedelung der Landschaft nicht, weil die Zwischenräume veröden. Generell fällt auf, wie wenig Aufmerksamkeit dem öffentlichen Raum geschenkt wird. Le Corbusier skizziert eine Stadtplanung, in der die Autobahnen über die Hausdächer hinweglaufen. Ludwig Mies van der Rohe ist so fasziniert vom Skelettbau, der Glasfassaden-Hochhäuser ermöglicht, dass er die Ästhetik einer gewachsenen urbanen Struktur aus den Augen verliert. Selbst Frank Lloyd Wright, der seine Wohnhäuser inmitten einer grünen Umgebung zeichnet, hat kein Gefühl dafür, dass sich rechtwinklige Betonflächen mit der Natur beißen.>

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In einem Bericht über den kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila heißt es in der Zeitschrift “Information Philosophie”:

<...Problematischer sind da schon die Produkte der modernen Architektur, für Gómez Dávila ohnehin ein Syndrom für den Verfall des ästhetischen und mit ihm des moralischen Sinns: “Die größte Anklage gegen die moderne Welt ist deren Architektur.”

Die ökologischen Folgen der planlosen modernen Bauwut sind weithin bekannt und auch wissenschaftlich erfasst. Weniger erforscht, weil schwerer zu ermessen, sind die moralischen Folgen dieser ästhetischen Verwahrlosung. Die ökonomische Mechanik jedenfalls, die als Zwang im Inneren der Gesellschaft wirksam ist und alles und jeden dem Gesetz der rückhaltlosen Expansion unterwirft, entfaltet ihre größte Destruktivität gerade dann, wenn die Wirtschaft schwarze Zahlen schreibt: “Der moderne Mensch zerstört mehr, wenn er aufbaut, als wenn er zerstört.” (S.29)

...Wie die klaustrophobe Vision einer Reihenhaussiedlung liest sich denn auch der folgende Aphorismus: “Der Mensch wird eine Welt nach der Art der Hölle geschaffen haben, sowie er eine vollständig von seinen Händen geschaffene Umwelt bewohnen wird.”> (S.29)

Aus der Zeitschrift “Information Philosophie” 3/2006, S.29. In der Rubrik “Positionen” der Artikel “Nicolás Gómez Dávila. Dargestellt von René Steininger” (S. 28-31)

 

 

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