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(3) Spielregeln von Argumentation

18.03.10

 

Argumentationskunst - Teil 3

 

Spielregeln bzgl.  ‚Argumentation’

 

Ich glaube, der einfachste Nachweis, daß jemand ein echter AUF (Argumentationsunfähiger) ist, liegt darin, daß es ihn kein bißchen juckt, wenn man ihm (innere) Widersprüchlichkeit oder widersprechende Fakten zu seinen Behauptungen aufzeigt, da er nicht die entsprechende Werthaltung bezüglich Argumentation besitzt. Das ist ein einfacher Lackmustest. Der andere Nachweis, liegt darin, daß vor allem speziell der Fundi-AUF nicht wirklich auf die andere Seite eingehen kann. Er kann einfach nicht richtig zuhören, was eigentlich Sache ist - Zuhören ist hier im emphatischen und auch im empathischen Sinne gemeint.

 

1. Teil

 

Und da komme ich schon zu meinem ersten Gedanken, nämlich daß Argumentation ein ‚Spiel’ ist, analog zum Schachspiel, Skat, Pokern, Superhirn usw. Jemand, der sich nix aus „Mensch ärgere dich nicht“ macht, also nicht die entsprechende Werthaltung besitzt,  kann sich auch nicht ärgern, wenn ein anderes Männchen sein eigenes Männchen überholt oder rausschmeißt. Da muß er sich schon auf das Spiel und seine Regeln einlassen – erst dann hat er die Werthaltung des Spiels übernommen und ärgert sich (oder freut sich – je nachdem).

 

Das heißt in other words: Argumentation ist ein Spiel mit Spielregeln. Dabei gibt es einerseits die Pseudo-Argumentation: Ich nenne sie den rhetorischen (Platon würde sagen: den philodoxischen) Gebrauch von Ansichten oder noch schlimmer die ideologische Argumentationsscharlatanerie und andererseits die eigentliche, wissenschaftlich-philosophische Argumentation, der es per haltbarer Begründung um entsprechend haltbare Überzeugungen geht. Bei der rhetorischen und ideologischen Meinungsbildung sind alle Tricks erlaubt, die bei einem je gegebenen Publikum zum Erfolg führen. Bei der wissenschaftlich-philosophischen Argumentation ist Wahrheitsliebe oberstes Gebot, unabhängig vom Erfolg beim Publikum: alles ist erlaubt, was zur Wahrheit, zur Objektivität führt. Das Publikum ist allein interessant, insoweit es für die Einhaltung der Spielregeln eintritt und die Gekonntheit der Argumentation goutiert, um auf dieser Basis zu rationalen Ansichten & Entscheidungen zu gelangen. (Daß dies ein ziemlich puristischer Standpunkt ist, der mehr oder minder durch die realen Wissenschafts- Politik- und juristischen Institutionen aufgeweicht wird, steht hier erst mal nicht zur Debatte).

 

Ich betrachte hier lediglich die wissenschaftlich-philosophische Argumentation und an anderer Stelle einen wichtigen - den extremen - Teil der rhetorisch-philodoxischen Überredungskunst - nämlich die ideologische Argumentation. Bei der Argumentation (im eigentlichen Sinne), der es um Wahrhaftigkeit und Realität geht, hatten die alten Griechen (vermutlich aufgrund der geometrischen Beweisführungen) ein wichtiges Grund-Element erfaßt, nämlich die Orientierung an der Norm der Widerspruchsfreiheit. Die daraus folgende Spielregel lautet also: Um zu haltbarer Erkenntnis zu gelangen, vermeide Widersprüche!  Widersprüchlichkeit tritt in zweierlei Form auf. Als innere, wenn ich etwa heute dies, morgen jenes sage, was nicht miteinander in Einklang steht (mein Aussagensystem ist in sich widersprüchlich); als äußere: eine oder mehrere meiner Behauptungen sind mit der (äußeren) Faktenlage nicht kompatibel.

 

2. Teil

 

Was jede Argumentation problematisch macht, ist die Unwissenheit. Selbst wenn man das Prinzip der Argumentation beherrscht, nutzt es nix, wenn man keine halbwegs plausiblen allgemeinen Aussagen machen kann. Denn jede Argumentation stützt sich bei dem Begründungsvorgang auf allgemeine Aussagen, auf (angenommene oder sichere) ‚Gesetzmäßigkeiten’ der Realität. Hier sieht man, wie sich erst im Laufe der Geschichte – mit Hilfe von Argumentation und deren schriftlicher Aufzeichnung, sowie deren allgemeiner Zugänglichkeit in Bibliotheken – nur allmählich haltbare ‚Gesetzmäßigkeiten’ herausbilden, auf die man sich dann argumentativ immer verläßlicher beziehen (stützen) kann, sodaß sich eine Exponential-Funktion des anwachsenden (haltbaren) Wissens herausbildet. Man zieht sich (als argumentativer Teil der Menschheit) ganz allmählich – historisch gesehen – dann aber immer schneller -  quasi am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Unwissenheit.

Man merkt, wie sich durch Argumentation das (von mir so benannte) ‚Gemeinsame Gehirn’ der mehr oder minder gegensätzlich Argumentierenden immer weiter geistig hochschraubt – so wie analog die Kunst des Schachspiels im Gegeneinander realer Spieler immer höhere Dimensionen erreicht.

 

 

M.a.W.: Nur jemand, der haltbares Wissen hat, kann auch haltbar argumentieren und auf diese Weise neues haltbares Wissen in die Welt setzen. Andererseits, oder gerade deswegen, ist aber der Kampf mit Hilfe neuer Argumente gegen alte wichtig, sofern es noch kein wirklich haltbares Wissen gibt – was oft genug mehr oder minder und historisch gesehen sowieso der Fall ist. Denn nur durch diese neuen Argumente kann klar werden, wo sich die Lücken des Wissens befinden, und auch wo das bisher scheinbar plausible Wissen in Konkurrenz zu neuem Wissen tritt bzw. nicht weiter aufrecht zu erhalten ist. Und des weiteren wird durch die Konkurrenz die Motivation des neuen Konkurrenten angestachelt, jene Wissenslücken zu beseitigen, denn jeder will ja recht haben. So entsteht dann erst das haltbare Wissen. Argumentation (sofern eine kleine Minderheit der Gesellschaft sich überhaupt ernsthaft auf das Argumentationsspiel einläßt!) stellt im antagonistischen Konkurrenz-Falle oft eine gnadenlose Gegnerschaft wie beim Schachspiel her. Nur im nichtantagonistischen Falle von Lernfähigkeit ergibt sich durchaus haltbarer, wahrer, echter Konsens.

 

Das letztere war übrigens eine Argumentation, die auf mehreren allgemeinen Gesetzmäßigkeiten fußt:

  • Hauptsächlich durch die Konkurrenz der Argumente wird klar, wo sich die Lücken des Wissens befinden, wo das bisher scheinbar plausible Wissen ins Wanken gerät.
  • Durch die Konkurrenz wird die Motivation angestachelt, jene Wissenslücken zu beseitigen, denn sowohl der neu Argumentierende als auch der Angegriffene, der die alten Argument verteidigt, will ja recht haben, will durch die besseren Argumente siegen.
  • Nur im nichtantagonistischen Falle zwischen Menschen, die lernfähig sind, ergibt sich Konsens – und zwar ziemlich sofort und nicht erst als Utopie. Im antagonistischen Fall dagegen ergibt sich zunächst erst mal nur  Gegnerschaft, die jedoch beiderseits die Motivation anstacheln kann - also nicht unbedingt nur nachteilig ist.

Diese 3 Behauptungen allgemeiner Gesetzmäßigkeit können natürlich selber wieder angezweifelt werden (vor allem durch widersprechende Fakten oder durch eine  konkurrierende Theorie, welche die relevanten Fakten wesentlich besser zu integrieren in der Lage ist) und müßten gegen diesen Zweifel entsprechend verteidigt werden – bzw. wenn eine Verteidigung aussichtslos ist, aufgegeben oder modifiziert werden.  Dann jedoch fallen mit diesen behaupteten allgemeinen Gesetzmäßigkeiten wiederum alle Behauptungen, soweit sie auf  dem Widerlegten fußen, erst mal wie ein Kartenhaus in sich zusammen. In diesem Falle die Behauptung, daß das Erzeugen konkurrierender Argumente und die Konkurrenz unterschiedlicher Theorien im Falle unsicheren Wissens wichtig ist, um (in the long run)  zu haltbarem Wissen zu gelangen  -  sofern und soweit die obigen 3 behaupteten Gesetzmäßigkeiten unhaltbar wären.

 

Hier sieht man übrigens eine weitere Spielregel der Argumentation: wenn eine Verteidigung schwach oder gar aussichtslos ist, sollte die gegebene Behauptung aufgegeben oder modifiziert oder zumindest aus ihrem dogmatischen Schlummer (d.h. ihrem Alleinvertretungsanspruch) befreit werden. - Das ist allerdings keine Forderung, die der menschlichen Eitelkeit und ihrem Konservatismus entspricht! Diese Popperianische Haltung des Falsifikationismus ist zwar eine äußerst sinnvolle Norm, die Realität institutionalisierter Wissenschaft kann aber ziemlich stark davon abweichen, wie Kuhn aufgewiesen hat. Allerdings kann jene Popper-Norm die Phase des eitlen Konservatismus, die jeder ernst gemeinten Argumentation (hinter der oft ein ganzes Lebenswerk steht) notwendigerweise eigen ist, sozusagen ‘künstlich’, per individuellem, kritischem, selbstreflexivem  Bewußtsein, abkürzen. Jene Spielregel (wenn auch ziemlich lahm) ist zwar historisch seit der Antike immer geltend gewesen, sonst hätte es keinen Fortschritt der Wissenschaften und auch keine Etablierung neuer Wissenschaften, neuer Theorien (welche Fakten in neuem Licht sehen oder ganz neuartige Fakten entdecken) gegeben, aber sie ist erst seit Poppers Einfluß (d.h. ab ca. 1935) in den Fokus wissenschaftstheoretischer Erörterungen gerückt. - Gegen diese Spielregel, welche argumentative Kritik und Theorien-Konkurrenz als notwendig für Wissenschaftsentwicklung impliziert, stehen aber nicht einfach nur ein paar eitle Individuen, sondern prinzipiell ganze Blöcke institutioneller Gefüge, die vielen gewichtigen Leuten Geld & Bedeutung verleihen. Man denke paradigmatisch an den Fall Galilei und die Hl. Kath. Kirche. Desweiteren an marxistischen Partei-Dogmatismus in den ehemaligen Ostblockländern (beispielsweise den Fall Solschenizyn) und last not least (wenn auch weit weniger extrem) denke man an die Universitäten unserer Spießerdemokratie: wer wo warum berufen, bzw. nicht berufen wird; welche Forschungen, theoretischen Sichtweisen, auch Methoden, aus Spießergründen, Ökonomismusgründen etc. als verwerflich oder unangebracht erscheinen. Ich erinnere mich zum Beispiel an die arrogant-kindische Ablehnung der Professurbewerbung von Frigga Haug seitens des Gutachters des Fachbereichs Psychologie der Uni Gießen (ca. 1980), weil ihre Methode (der ‘Erinnerungsarbeit’) angeblich ‘unwissenschaftlich’ sei. Ein weiteres Beispiel habe ich in meiner Tabelle ideologischer Argumentationstricks unter 01 und 02 aufgeführt: Prof. Walter Soyka.

Man erkennt also, wie gerade diese Spielregel - ihre Verwirklichung oder ihre Vereitelung - das Kampffeld absteckt zwischen einer aufgeklärten und einer unaufgeklärten Gesellschaft.

 

3. Teil

 

Die Frage ist weiterhin, was sind eigentlich wesentliche Faktoren, die das Argumentieren – bei aller vorausgesetzten Intelligenz und sprachlichen und sonstigen praktischen Fertigkeiten mitsamt dem sozialen Anspruch der heutzutage bzgl. Argumentation besteht,   - trotzdem bei einem Individuum verhindern?

 

Da ist mir bis jetzt nur  - bei Diskussionen beim Abendessen mit meiner Frau, die im Gießener Kinderladen arbeitet – die Idee gekommen, daß der Knackpunkt das dialogische Zuhören ist: In einer Familie, in der dem Kind seitens der Eltern in aller Überheblichkeit nicht zugehört wird, entsteht vermutlich ein spezifisches Defizit beim Kind. Das also ist meine erste vorläufige Hypothese, auf der ich das Folgende aufbaue. Das Kind hat somit selber nicht gelernt, ernsthaft zuzuhören. Es geht auch nicht davon aus, daß ihm selber ernsthaft zugehört wird. Also teilt es sich auch nicht entsprechend mit. Es bleibt einerseits einsam in seiner Mitteilung (hört nur sich selber in sich bei der Mitteilung, nicht auch den Anderen) und es bleibt andererseits einsam im Zuhören (hört ebenfalls nur sich selber beim Zuhören, seine unkontrollierten Phantasien, und nicht auch wirklich in sich den eventuell zu Recht kritischen Anderen).

 

Was wir jedoch bei der Argumentation im eigentlichen Sinne grundsätzlich voraussetzen ist, daß man wie ein Luchs möglichst genau zuhören können muß, was der Andere sagt, um ihn notfalls möglichst genau zu zitieren, zu widerlegen, zu ergänzen oder zu unterstützen. – Was wir noch voraussetzen bei der Argumentation ist, daß sich der Argumentierende (innerlich) an ein spezifisch aufnahmebereites Gegenüber wendet. Er geht also grundsätzlich davon aus, daß ihm ernsthaft  zugehört wird – und versucht sich entsprechend verständlich zu machen, damit er möglichst nicht mißverstanden wird.

 

Auch Malte W. Ecker (in: Kritisch argumentieren, Aschaffenburg 2006) betont diese Fähigkeit des “Verstehens” für die argumentative Diskussion:

<Verstehen erfordert immer beides, ein Bemühen, sich verständlich zu machen, ebenso wie eine Bemühen, zu verstehen. Man muß bereit sein, die eigene Argumentation anderen Menschen möglichst klar und deutlich zu machen, und man muß ebenso interessiert und willens sein, sich auf eine argumentative Diskussion überhaupt einzulassen und anderen Gesprächsteilnehmern zuzuhören.> (S. 93)

 

Beide Eigenschaften kann jedoch der im dialogischen Zuhören geschädigte Mensch gar nicht mitbringen. – Er ist also notwendigerweise von vornherein, per mißglückter Sozialisation, unfähig zu argumentieren. Dies ist die Form des fundamentalen AUF (Argumentationsunfähigen) - also nicht des zufälligen AUF, der zwar zuhören kann, aber nicht die Kunst des Argumentierens beherrscht, sie aber eigentlich jederzeit erlernen könnte. Der fundamentale AUF kann wahrscheinlich niemals die Kunst der Argumentation wirklich beherrschen, selbst wenn ihm noch so sehr die formalen Regeln klar gemacht wurden.

Diese ‘harte’ Realität drücken die Pragma-Dialektiker auf ihre Weise meiner Ansicht nach vornehm und diplomatisch folgendermaßen aus:

<Here it should be emphasized that the reflection-furthering practical application of insights from argumentation theory always assumes that people who want to learn something about argumentation are never completely ignorant (tabula rasa). They are supposed to be already familiar with certain verbal practices and to possess various skills already up to a certain level.> (Van Eemeren/Grootendorst, A Systematic Theory of Argumentation, Cambridge (UK) 2004, S. 36).

 

 

 

Da fällt mir ganz nebenbei ein: was ist eigentlich mit den Formalisten in der Mathematik und den ‚Dunkelmännern’ in der Philosophie, die sich ebenfalls nicht verständlich mitteilen? Sollte das etwa auch auf prinzipieller Argumentationsunfähigkeit beruhen?

 

 

4. Teil

 

18.04.10

Pragma-Dialektik - engl. Pragma-dialectics – PD

In den unten aufgeführten 10 Normen einer gut geführten Diskussion wird der geübte Argumentator so manches  wiederfinden, was ihm schon immer irgendwie intuitiv klar war, was er aber nie so deutlich zum klaren Bewußtsein gebracht hat, um damit zu klären, was eigentlich ‘Argumentation’ ist. Drei der Regeln sind für mich neu, nämlich Nr. 5, 6 und 7 (wobei ich allerdings mit der “argument scheme rule”  7 gar nix anfangen kann). Ich zitiere den englischen Text mit meinen eigenen Übersetzungshilfen aus der englischen Wikipedia, Artikel “Argumentation theory”:

One rigorous [gründlich, exakt, streng, schlüssig] modern version of dialectic has been pioneered [den Weg bereitet] by scholars [Gelehrte] at the University of Amsterdam in the Netherlands, under the name pragma-dialectics. The intuitive idea is to formulate clearcut [klar, eindeutig, scharf geschnittene] rules that, if followed, will yield [hervorbringen] rational discussion and sound conclusions. Frans van Eemeren, the late Rob Grootendorst, and many of their students have produced a large body of work expounding [erklärend] this idea.

The dialectical conception of reasonableness [Plausibilität, Vernünftigkeit] is given by ten rules for critical discussion, all being instrumental [als Mittel dienend] for achieving a resolution [Auflösung] of the difference of opinion (from Van Eemeren, Grootendorst, & Snoeck Henkemans, 2002, p. 182-183;  gemeint ist lt. Literaturverzeichnis offenbar Eemeren, F.H. van, Grootendorst, R. & Snoeck Henkemans, F. et al.  (1996). Fundamentels of Argumentation Theory. A Handbook of  Historical Backgrounds and Contemporary Developments. Mahwah, NJ:  Erlbaum.) [Man findet die analogen Regeln, etwas anders formuliert,  als “Ten Commandments for reasonable discussants” in dem Buch von Frans H. van Eemeren, Rob Grootendorst: “A Systematic Theory of Argumentation. The pragma-dialectical approach”, Cambridge University Press, Cambridge 2004, S. 190 ff. - Vgl. dazu auch meine Rezension dieses Buches.]

    [1.] Freedom rule: parties must not [dürfen nicht] prevent [verhindern, verhüten, hindern, unterbinden] each other from advancing [vorantreiben] standpoints or from casting doubt [Zweifel säen] on standpoints.

    [2.] Burden of proof rule: a party that advances a standpoint is obliged [verpflichtet] to defend it if asked by the other party to do so.

    [3.] Standpoint rule: a party’s attack on a standpoint must relate to the standpoint that has indeed [wirklich, tatsächlich] been advanced by the other party.

    [4.] Relevance rule: a party may defend a standpoint only by advancing argumentation relating to [in Zusammenhang mit, mit Bezug auf] that standpoint.

    [5.] Unexpressed premise [Voraussetzung] rule: a party may not [darf nicht] disown [ableugnen] a premise that has been left implicit [unausgesprochen, eingeschlossen] by that party, or falsely [fälschlicherweise] present something as a premise that has been left unexpressed by the other party.

    [6.] Starting point rule: a party may not falsely present a premise as an accepted starting point nor deny a premise representing an accepted starting point.

    [7.] Argument scheme rule: a party may not regard a standpoint as conclusively [schlüssig, endgültig, abschließend] defended if the defense does not take place by means of an appropriate [angemessen, sachgemäß, adäquat] argumentation scheme that is correctly applied.

    [8.] Validity [Gültigkeit, Stichhaltigkeit] rule: a party may only use arguments in its argumentation that are logically valid or capable of being validated [bestätigt, für gültig erklärt] by making explicit [genau angegeben, deutlich] one or more unexpressed premises.

    [9.] Closure [Abschluß, Auflösung, Schließung] rule: a failed defense of a standpoint must result in the party that put forward the standpoint retracting [zurückziehen] it and a conclusive [überzeugend, beweiskräftig, schlüssig] defense of the standpoint must result in the other party retracting its doubt about the standpoint.

    [10.] Usage [Verwendung, Sprachgebrauch] rule: a party must not use formulations that are insufficiently [unzureichend, ungenügend] clear or confusingly [verwirrenderweise] ambiguous [mehrdeutig, zweideutig, mißverständlich, verschwommen] and a party must interpret the other party’s formulations as carefully [sorgfältig, gewissenhaft] and accurately [treffsicher, genau] as possible.

  • The theory postulates this as an ideal model, and not something one expects to find as an empirical fact. It can however serve as an important heuristic [als Findungsmethode] and critical tool for testing how reality approximates this ideal and point to where discourse [argumentative Diskussion, auf  ungezwungenen Konsens zielende Debatte] goes wrong, that is, when the rules are violated. Any such violation will constitute a fallacy [Fehlschluß, Abwegigkeit, Täuschung, Irrtum]. Albeit [obgleich] not primarily focused [konzentriert, gerichtet ] on fallacies, pragma-dialectics provides a systematic approach to deal with them in a coherent [einheitlich, zusammenhängend, schlüssig, verständlich] way.

 

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Hier habe ich noch ein interessantes Forschungsergebnis das ich in einem neueren Ami-Buch über ‘Rhetorik’ gefunden habe:

    buchtitel 'Thank you for arguing'

Three Rivers Press, New York 2007/2013

Kindle Edition bei Amazon 8,50€

Aus Kapitel 2: “Set your goals”:

This chapter will help you distinguish between an argument and a fight, and to choose what you want to get out of an argument. The distinction can determine [entscheiden] the survival of a marriage, as the celebrated [berühmt] research psychologist John Gottman proved [nachweisen] in the 1980’s and 1990’s. Working out of his “love lab” [Laboratorium] at the University of Washington, he and his assistants videotaped hundreds of married couples over a period of nine years, poring [grübeln] over every tape and entering every perceived emotion and logical point into a database [Datenbank]. They watched hours and days and months of arguments, of couples glaring [anblitzend] at each other and revealing embarrassing [peinlich] things in front of the camera. It was like a bad reality show.

When Gottman announced [bekannt gemacht] his findings in 1994, though [obwohl], rhetoricians around the country tried not to look smug [selbstgefällig], because the data confirmed what rhetoric has claimed for several millenia [einige tausende von Jahren]. Gottman found that couples who stayed married over those nine years argued about as much as those who ended up in divorce. However, the successful couples went about [damit umgehen; anpacken]  their arguments in a different way, and with a different purpose. Rhetoricians would say they intinctively followed the basic [elementar;  wesentlich] tenets [Grundsätze] of argument.

When some of the videotapes appeared on network television, they showed some decidedly [entschieden] uncomfortable [unangenehm] moments, even among the happy couples. One successfully married husband admitted he was pathologically lazy [faul], and his wife cheerfully [fröhlich] agreed. Nonetheless [trotz alledem], the couples who stayed married seemed to use their disputes to solve problems and work out [herausarbeiten; lösen] differences [Differenzen; Verschiedenheiten; Streitigkeiten]. They showed faith [Vertrauen] in the outcome [Resultat]. The doomed [dem Untergang geweiht] couples, on the other hand, used their sessions to attack each other. Argument was a problem for them, not a means to a solution. The happy ones argued. The unhappy ones fought [kämpften].

 

 

 

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